Nova Music Festival: Gedenkausstellung eröffnet in Berlin

Europa-Premiere ab 7. Oktober für immersive Schau im Flughafen Tempelhof. Wird es Anti-Aktionen der "Free Gaza"-Bewegung geben, die in Berlin stark vertreten ist?

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Zwei Jahre nach dem Terroranschlag der Hamas auf das Nova Music Festival in der israelischen Wüste kommt die international beachtete Ausstellung „October 7, 06:29 AM – The Moment Music Stood Still“ erstmals nach Europa.

Ab dem 7. Oktober 2025 ist sie in der historischen Eingangshalle des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin zu sehen. Bereits am zuvor stattfindenden „Medientag“ ist mit großem Interesse zu rechnen; auch weit über die deutsche Hauptstadt hinaus.

Die immersive Ausstellung rekonstruiert per Multimedia-Technik das Festivalgelände, zeigt forensisches Material, verschiedene Installationen und persönliche Berichte von Überlebenden und Angehörigen.

Zelte, Campingstühle, Toiletten, ausgebrannte Autos erzählen vom Grauen

Die Tempelhof-Ausstellung ist in drei Teile gegliedert, wie Initiatorin und Kuratorin Reut Feingold erläutert. Nach einem einführenden Video über die Nova-Gemeinschaft in der Eingangshalle betreten die Besucherinnen einen originalgetreu nachgebauten Campingplatz – mit Zelten, Campingstühlen, Toiletten, ausgebrannten Autos. Alle Exponate stammen vom Festivalgelände. Die Besucherinnen sind eingeladen, die Objekte anzufassen, daran zu riechen oder die Handys mit abgespielten Videos selbst in die Hand zu nehmen.

Zuvor war die Schau bereits in Tel Aviv, New York, Los Angeles, Miami, Buenos Aires, Toronto und Washington, D.C. zu sehen – mit über 500.000 Besuchern.

Das Nova Music Festival war vom Charakter ein „Hippie Rave“ wie etwa das deutsche „Fusion Festival“ oder der „Burning Man“ in den USA.

411 Menschen wurden ermordet, Hunderte verletzt, 44 verschleppt

Es galt als Symbol für kulturelle Vielfalt und friedliches Miteinander – und wurde zum Schauplatz des tödlichsten Angriffs auf ein Musikereignis weltweit: 411 Menschen wurden ermordet, Hunderte verletzt, 44 verschleppt – darunter 14 Festivalgäste, die noch heute im Gazastreifen als Geiseln gehalten werden.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner, Bundesministerin Karin Prien und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.

Wegner nannte die Ausstellung eine Einladung, „genauer hinzuschauen“ – eine Mahnung an die Menschlichkeit. Weimer sprach von einem „Angriff auf die Idee von Freiheit selbst“, während Prien betonte: „‚We will dance again‘ ist mehr als ein Motto – es ist ein Versprechen.“

Wie die in den Berliner Stadtbezirken Kreuzberg und Neukölln sehr stark vertretene „Pro-Gaza-Bewegung“ auf die Ausstellung reagiert, ist aktuell noch nicht abzusehen. Man scheint sich noch „zu formieren“. Erst am letzten Wochenende (28.09.) hatte es eine große Demo im Stadtzentrum unter dem Motto „All Eyes on Gaza“ mit zehntausenden Teilnehmer gegeben.

Eine Banner-Aufschrift lautete dort: „Stop Genozid Now“. Es bleibt zu hoffen, das die Nova-Ausstellung ohne Störung oder destruktiven Aktionismus verläuft. Vielleicht kann sie sogar zum Dialog beitragen.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.