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Der Schwebende: Zum Tod des großen Blues-Gitarristen Peter Green


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In den späteren Jahren waren es zwei Geschichten, die man immer wieder über Peter Green erzählte: Als er 1970 bei Fleetwood Mac aufgehört hatte und merkwürdig geworden war, arbeitete er eine Weile als Friedhofsgärtner. Und merkwürdig war er möglicherweise geworden, weil er nach einem Konzert in München bei der Kommune von Rainer Langhans und Uschi Obermaier in Landshut zu viel LSD konsumierte. Green selbst bestätigte später die Legende: „I went on a trip and never came back.“

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Mehr noch als bei Eric Clapton beglaubigt Peter Greens Biografie die Fama vom Blues als Schicksal und Berufung, als Grenzgang und Entgrenzung. Peter Green, am 29. Oktober 1946 in Bethnal Green geboren, spielte mit dem Schlagzeuger Mick Fleetwood in einer Band, als er 1966 von John Mayall zu den Bluesbreakers geholt wurde, weil Clapton die Gruppe verlassen hatte. Nach einigen Monaten aber kehrte Clapton zurück und nahm seinen Platz für kurze Zeit wieder ein, bevor er Cream gründete. Da war es es zu spät für Green, der den etwas älteren (und ebenfalls sehr jungen!) Clapton bewunderte. Die Kränkung blieb.

Fleetwood Mac, 1969. (von links nach rechts): John McVie, Danny Kirwan, Mick Fleetwood, Jeremy Spencer und Peter Green. (Photo by Redferns/Getty Images)

1967 gründete mit Fleetwood die Band Peter Green’s Fleetwood Mac. An dem Namen ist erkennbar, dass es sich erstens um eine traditionelle Blues-Band handelte und zweitens um Peter Greens Blues-Band. In wenigen Jahren entstanden formal wenig spektakuläre, aber unter Blues-Aficionados überaus geschätzte Alben. Greens Song „Albatross“ wurde legendär, „Black Magic Woman“ bald von Carlos Santana berühmt gemacht. Mick Fleetwood rühmte später, als er die Band nach Amerika gebracht und vollkommen verändert hatte, immer wieder Greens Urheberschaft und sein Genie als Gitarrist.

1970 brachte Green die erste Solo-Platte heraus, programmatisch „The End Of The Game“ betitelt. Er trat in weiten Kutten und mit Kruzifixen behängt auf, Improvisationen und Jams waren jetzt die (fehlende) Form, in der er sich ausdrückte; er spielte mit seinem Idol B. B. King und anderen Blues-Männern, ein Journeyman. Green verabscheute emphatisch Krieg und Kapitalismus und war der vielleicht einzige Musiker, der seinen Manager dafür beschimpfte, dass er ihm Geld überweisen wollte, statt es an eine Anti-Kriegs-Organisation zu geben. Er soll in einem Kibbuz gelebt haben, für eine Weile wurde er eine psychiatrische Klinik eingewiesen, er wurde mit Elektroschocks behandelt. Green war ein komischer Heiliger und ein Patient geworden.


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Das gepriesene und durchaus erfolgreiche Album „In The Skies“ (1979) schien eine Karriere einzuleiten; Green veröffentlichte regelmäßig Platten in den 80er-Jahren, die indes wenig Beachtung fanden. In den 90er-Jahren gründete er Peter Green’s Splinter Group, wiederum ein bezeichnender Name, die ebenso beiläufig und splitterhaft agierte, ganz dem improvisatorischen Blues-Geist verpflichtet.

Noch Anfang dieses Jahres plante Mick Fleetwood, sonst wenig sentimental, eine große Hommage an Green in der Royal Albert Hall, mit der an den Freund erinnern wollte, wahrscheinlich nicht frei von Gewissensbissen. Peter Green war kein Interpret seiner selbst, er war, wie er war. Andere schrieben mit Respekt und Bedauern über den halb schlafenden Riesen – er selbst war nicht larmoyant, und es ist sehr wahrscheinlich, dass er die genau die Musik machte, die ihn schweben ließ. Gestern starb der frei flottierende Blues-Poet Peter Green im Alter von 73 Jahren.

RB Redferns

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