Pussy Riot: Anhörung verschoben


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Die Geschichte um die Inhaftierung  und die Verurteilung der Pussy Riot-Mitglieder wies schon viele Facetten auf. Die ganze Welt verfolgte die Wendungen. Auch wir berichteten immer wieder ausführlich.

Angefangen hatte alles mit dem „Punk-Gebet“ von fünf Kremlkritikern, die unter dem Namen Pussy Riot bekannt wurden. Dieses richtete sich gegen den russischen Präsidenten Putin und gegen die enge Verzahnung des Staates mit der russischen Kirche. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Drei der Mitglieder (Maria Alechina, Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch) wurden festgenommen und am 17. August zu zwei Jahren Haft verurteilt. Weitere Mitglieder der Band sind unterdessen aus Russland geflüchtet, übrige Beteiligte des Kollektivs geben jedoch nicht klein bei und singen in neuen Pussy Riot-Videos gegen Putin und für die Befreiung ihrer Sinngefährtinnen. Der russische Präsident zeigte sich wenig beeindruckt, er hielt das Urteil eigenen Aussagen nach für „angemessen.“ Weltweit protestierten Menschen auf der Straße immer wieder für die Befreiung von Pussy Riot. Auch Künstler solidarisierten sich mit der Band. Zum Beispiel Peaches und Simonne Jones, die einen eigenen Song auf einer Demo spielten. Oder Madonna, die auf Konzerten „Free Pussy Riot!“ ausrief. Sinead O’ Connor verfasste sogar einen eigens an Putin gerichteten Brief, mit der Bitte, die Strafe in Hausarrest umzuwandeln. Yoko Ono verlieh der Band zu Unterstützung im Kampf gegen das russische Regime vor kurzem zusätzlich den Lennon-Ono-Friedenspreis. Als Grund nannte Ono folgendes: Es ist unglaublich, dass die drei Frauen wegen nichts ins Gefängnis mussten. Sie standen einfach nur für Meinungsfreiheit ein. Es ist unfassbar, dass das passieren konnte. Deshalb ist es wichtig, dafür zu kämpfen, dass diese bald aus ihrer Haftstrafe entlassen werden“

Dass die Haftstrafe zu radikal war, ist wohl allen klar. Große Hoffnung gab aber vor allem die Aussage des Ministerpräsidenten Medwedew, der zu der Zeit des Punkgebetes noch die Stellung des russischen Präsidenten inne hatte. Dieser bezeichnete die Verurteilung als „zu hart“. Eine Bewährung wäre indessen angemessen, da die betroffenen Frauen genug Zeit gehabt hatten, über das „Geschehene nachzudenken.“

Heute nun wäre der Gerichtstermin gewesen, der den Frauen eine Bewährung ermöglichen sollte. Der Termin wurde jetzt aber verschoben, wie die Associated Press berichtete. Er wurde auf den 10. Oktober angesetzt. Das Gericht in Moskau handelte auf einen Antrag der Frauen hin. Yekaterina Samuzewitsch hatte ihren Anwalt entlassen, da dessen Ansichten zu sehr von ihren divergierten. Sie steht damit derzeit ohne Verteidiger da. Die Frau habe angeblich schon einen neuen gesetzlichen Vertreter, die Vertragsunterzeichnungen stehen noch aus. Weitere Details sind nicht bekannt.

Die Verteidiger gehen nicht davon aus, dass die Berufung erfolgreich verlaufen würde. Eine Verminderung der Haftstrafe um sechs Monate sei realistischer.