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Reeperbahn Festival 2012, Tag 1: „Hey, it’s St. Pauli!“

Am Türsteher vorbei, über einen muffigen Teppich die Treppe rauf. Klogeruch, rote, verblichene Tapeten – und immer wieder Spiegel. Das Planet Pauli am Spielbudenplatz mag inzwischen, nach Eigendarstellung, „eine Event-Location mit Las Vegas Feeling“ sein, fühlt sich aber immer noch in erster Linie nach Kiez an. Auf dem Reeperbahn Festival wähnt man sich eh in jedem zweiten Club in einem ehemaligen Stripschuppen oder einem vergleichbaren Etablissment – und, machen wir uns nix vor, genau das macht einen Teil seines Reizes aus.

Auf der Bühne des Planet Pauli steht an diesem frühen Donnerstagabend Dial M For Murder, ein Duo aus Schweden, dessen Debüt „Fiction Of Her Dreams“ wie eine Garage-Version von Interpol klingt. In ihrer Live-Darbietung sucht man dieses düstere, abgründige, dunkel rumpelige leider vergeblich. Hier wird der herkömmliche Indie-Rock-Schuh ausgelatscht (in schicken Ringelsocken immerhin), was aber für den Festivalstart vielleicht gar nicht so schlecht ist. Überhaupt kommt man sich noch ein wenig berauscht vor von der ersten Dröhnung Kiez-Flair. Man denkt gar kurz, der junge Mann auf der Bühne sänge „Hey, it’s St. Pauli“, was aber zu 50% den schwierigen Soundbedingungen und zu 50 % dem eigenen Berauschtsein geschuldet ist. Apropos Rausch: Neidvoll und ein wenig schmunzeld staunt man über den jungen Herren vor der Nase, der zu „Oh No“ alle Glieder schüttelte, als hätte diese Musik ihn zu orgasmischen Zuckungen gebracht. Ein guter Moment, um zu gehen…

Der Spielbudenplatz dient auch in diesem Jahr wieder als Dreh- und Angelpunkt des Reeperbahn Festivals. Hier mischt sich das herkömmliche Publikum mit den Ticketbesitzern, wird das Clubfestival zum Stadtfest. N-Joy veranstaltet Konzerte vor einem kleinen Bus und lädt zum Beispiel Einar Stray zur Akustiksession. Ein schöner Kontrast, wie der Norweger mit seiner Band kühlschöne Dramen singt, während im Hintergrund das N-Joy-Giftgrün mit den Neonlichtern der Meile um die Wette strahlt. Stray versinkt im Titelsong „Chiaroscuro“, streicht über das Keyboard, die Cellistin schließt die Augen, man selbst lässt den Blick schweifen, über die Leuchtwerbung des Café Keese, das McDonalds-M und dem Schild daneben: „Geiz! Sex für 39 Euro!“. Man erwischt sich kurz bei dem unappetitlichen Gedanken, wie denn dieser Sex zu diesem Preis aussähe und ob dabei das McDonalds-Klo der Schauplatz wäre – und lässt sich dann doch lieber zurück nach „Chiaroscuro“ entführen, das Stray sehr leidenschaftlich bewirbt (die Session kann man übrigens hier sehen).



Wegen Corona: Immergut Festival wurde verschoben

Normalerweise steht das Immergut Festival in Mecklenburg-Vorpommern mit einem Start Ende Mai am Anfang eines langen Festivalsommers. Doch aufgrund der Coronavirus-Pandemie mussten die Veranstalter ihre Pläne ändern. In einer Pressemitteilung bestätigt der immergutrocken e.V, dass das geplante Datum des Festivals vom 29. Mai bis 31. Mai nicht eingehalten werden kann. Stattdessen soll das Immergut Festival nun vom 03. September bis 05. September 2020 an den Start gehen. In einem Statement auf ihrer Webseite und auf Social Media (verkürzte Version) führen die Veranstalter aus, warum sie sich so entschieden haben. So heißt es auf der Internetseite: „Da aktuell mit Hochdruck an…
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