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René Pollesch im Interview: „Vertrauen ist kalt und Sex ist warm“

Wer nach dem Namen im Internet sucht, um eine Ahnung von Inhalt von „Rocco Darsow“ zu bekommen, wird nicht auf einen politischen Theoretiker oder einen philosophischen Buchtitel stoßen, sondern auf das Facebook-Profil eines gut aussehenden Berliner Kraftsportlers. Wer René Pollesch fragt, erfährt, dass Rocco Darsow ein Bekannter ist. „Der Name ist toll. Rocca Darsow boxt. Und das Schauspielhaus hatte in einer Spielzeit zig Stücke, die alle einen Namen im Titel hatten. Das klang gut. Das wollte ich auch. Und irgendeinen Titel muss man anderthalb Jahre vorher abgeben – so ist es dieser geworden. Aber der Abend hat nichts mit dem Leben von Rocco Darsow zu tun. Null.“ – Beim Treffen in der Kantine des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, wenige Wochen vor der Uraufführung, sitzt Pollesch abseits. Der 51-Jährige hat gerade den ersten Probentag für sein neues Stück „Rocco Darsow“ beendet. Der Theatertext erstand eilig wie immer in den vergangenen drei Wochen. Uraufführung ist am 12.12. Er trägt eines seiner zehn identischen schwarzen Hemden, die einzige Jeans, die er besitzt und das legendäre, ebenfalls einzige Jackett. „Zwei Hemden sind noch eingeschweißt, für die kommenden Premieren“, sagt er – und raucht. Mehr als zwei Schachteln werden gemeinsam geleert während des wilden Gesprächs über: Grindr-Performances, die Oper mit Tocotronic-Frontmann Dirk von Lowtzow, Gier und Globalisierungskritiker, Tweets und Pop-Theater.

Warum sind Deine Stücke so kurz? Und ist alles unter einer Stunde bereits Arbeitsverweigerung?

Das letzte, das wir in Stuttgart gemacht haben – „Du weißt einfach nicht, was Arbeit ist“, hat eine Länge von 1:05 Stunde. Was wir aber erst bei der Premiere gemerkt haben. Es dauerte eigentlich 1:30 oder 1:40, aber das schob sich dann so sehr zusammen. Es waren einfach so viele „Ähs“ drin, die später wegfielen, als die Schauspieler den Text besser konnten. Aber solange man über eine Stunde kommt machen die Theater das mit. Es gibt diesen ungeschriebenen Deal, dass man ansonsten Eintrittsgelder zurückgeben muss. Das hat mir Frank Baumbauer, der Intendant der Münchner Kammerspiele jedenfalls mal so gesagt.



Die besten Konzeptalben aller Zeiten: The Who - „Quadrophenia“

Der alles überwältigende Song kommt am Schluss. Regen prasselt, als die ersten Klavierakkorde zu „Love, Reign O’er Me“ einsetzen, dieser Sehnsuchtshymne adoleszenter Jugendlicher, zu der im Jahre später gedrehten Kinofilm (mit Sting!) der Held, ein Mod namens Jimmy, von der Klippe ins Open End springt und sein Scooter zerschellt, während er auf dem Doppelalbum mit einem Bötchen aufs Meer hinausrudert, was natürlich ein bisschen weniger offensichtlich ist. Für „Quadrophenia“ sprechen vor allem drei Argumente: Die Mod-Kultur, die schönste Jugendkultur aller Zeiten; ihre Musik (Northern Soul) war so hitzig wie ihre Tänze elegant und ihr Styling (Parkas, Ponys, enge Anzüge, Mädchen…
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