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Alles was kommt Regie: Mia Hansen-Løve

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Nathalie Chazeaux ist eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Als Gymnasiallehrerin im Zentrum von Paris will sie ihren Schülern mit den großen französischen Philosophen, aber auch mit den Vertretern der Frankfurter Schule „das Denken beibringen“. Bei einem renommierten Verlag gibt sie zudem ein Lehrbuch und eine Reihe mit philosophischen Essays heraus. Aber „Philosophie ist nicht alles“, wie sie ihrem Lieblingsschüler, dem revolutionären Schönling Fabien, früh im Film verrät. Da ahnt man schon, dass dieses „alles“ hier eine unheilvolle Wirklichkeit erhalten wird. Denn die ideale Welt, die sich aus den Ideen und Gedanken der großen Philosophen sowie bourgeoiser Routine zusammensetzt, droht aus den Fugen zu geraten. Seit dem Auszug ihrer erwachsenen Kinder hat sich die Beziehung zu Nathalies Mann, dem Philosophie Professor Heinz, abgekühlt; eine jüngere Frau ist in sein Leben getreten. Auch als sich ihre Mutter, Yvette, ein ehemaliges Mannequin, in den Wahnsinn verabschiedet, ein Teil ihrer Schüler den Aufstand gegen die Sozial- und Bildungsreformen probt und Nathalie von ihrem Verlag fallen gelassen wird, bewahrt die Lehrerin die Ruhe. Wenn sie eines in den Werken ihrer Denker gelernt hat, dann, dass Schicksalsschläge und das Älterwerden zur Existenz dazugehören. Was folgt, ist das einfühlsame Beobachten einer Frau, die sich ihre Würde nicht nehmen lässt.

Mia Hansen-Løve interessiert sich nicht für den Krach des Dramas – ihr Interesse gilt seit je seiner Bewältigung. So auch in ihrem sechsten, mitunter sehr französischen Film, den man als eine Hommage an die aufgeklärte Frau jenseits der 40 lesen kann. Isabelle Huppert verkörpert diese resolute, ganz der Rationalität des Daseins verschriebene Frau perfekt in kühler Eleganz, stets auf dem schmalen Grat zwischen wissender Gelassenheit und emotionaler Aufwühlung wandelnd. Der Clou an diesem mit einem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichneten Film: Man leidet nicht mit Nathalie, sondern wächst mit ihr: heraus aus der Leere und hinein in die Autonomie.

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