Bill Callahan Shepherd In A Sheepskin Vest


Drag City


von

Ein Schäfer in einer Schafsfell-Weste? Wenn Bill Callahan singt, verlangsamt sich der Lauf der Welt, verschwinden digitale Beschleunigung, Kosten-Nutzen-Kalkulationen, all die Zumutungen des banalen Alltags. „Have you ever seen a shepherd ­afraid to find his sheep?“, fragt der 52-Jährige aus Austin stattdessen.

Auch auf seinem neuen Album lässt man sich wieder gern tragen von ­diesem tiefen Bariton, der so sehr berührt. In „Young Icarus“ erzählt Callahan von jahrelangen nächtlichen Flügen über den Irrgarten eines Lebens. Und wenn der junge Ikarus (selbstverständlich ein Alter Ego von Callahan) dann endlich den Morgen erreicht hat und, abgestürzt, dem kalten Meerwasser entsteigt, erkennt er: „The past has always lied to me. The past never gave me anything but the blues.“

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Musikalisch ist „Shepherd In A Sheepskin Vest“ etwas puristischer als das mit Flöte, Fiddle und Percussion vergleichsweise opulent arrangierte letzte Album, „Dream River“, von dem es sogar eine Dub-Version gab. Brian Beattie, der langjährige Gefährte von Callahan, ist auch diesmal wieder dabei, als Produzent und an vielerlei ­Instrumenten; ebenso Gitarrist Matt Kinsey. Gary Newcomb sorgt mit Lap-Steel-Gitarre für einen dezenten Country-Drall.

Callahan braucht nicht viele Worte, um seine meist ineinandergleitenden Geschichten zu erzählen. Er wacht auf in einer Boeing 747, fliegt durch einen Himmel, dessen Licht genau so ist, wie es sein sollte, bis die Wolken es mit eigenen Vorschlägen überschatten. Im traumhaft schönen „Morning Is My Godmother“ denkt er darüber nach, was Unendlichkeit bedeutet und wie sie in das Aufnahmevermögen der Menschen passt. Songs als berührende Meditation, Musik voller winziger, aber dafür transzendenter Details.

Was Callahan zusammen mit Tori Olds, einer Psychotherapeutin aus Austin, in „Lonesome Valley“ singt, könnte auch Hank Williams nicht besser ausdrücken: „Everybody’s got to walk the lone­some valley. You’ve got to walk it by yourself.“ (Drag City)


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