Bonnie "Prince" Billy: "Beware" (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Bonnie „Prince“ Billy „Beware“


Domino Records VÖ: 08.01.2010


von

Er mag ein bärtiger Prophet sein, aber auch Will Oldhams Vergleiche hinken manchmal. Michael Jacksons “ Off The Wall“ begreife er als Album, mit dem Jazz-Musiker dem Pop neues Leben einflößten- und in ähnlicher Weise inspirierten nun seine Musiker die Country Music. Ist die Analogie auch holprig, so führt sie doch auf die richtige Spur: Seit seiner polierten Nashville-Platte “ Greatest Palace Music“ hat Bonnie „Prince“ Billy nicht so unverhüllt seiner Liebe zu Twang und Steel-Guitar-Schmalz gehuldigt. Sogar Trompeten hat er in die gemütvollen Arrangements eingebaut. Und üppigsten Harmoniegesang.

„Beware“
ist also ein Album für jene Oldham-Bewunderer, die das Räudige, das Erratische und Hingeworfene in seinem Werk nicht schätzen. Erstmals in seiner nun schon lange währenden Karriere hat er die Musiker von einer Tournee ins Studio mitgenommen- und wenn die Songs auch wiederum einzigartig klingen, so haben sie doch eine große innere Kohärenz.

Wo Billy sonst tupft und ziseliert, trägt er hier großzügig und schlotzig die Farben auf, scheut keine kräftigen Worte und keine kühnen Metaphern. Die Dobro zirpt geschwind, das Akkordeon schluchzt, akustische und elektrische Gitarren begleiten mit festem Zugriff. Und der Sänger Billy, hier meistens laut und deutlich im Vordergrund, vollbringt Staunenswertes in Stimmungen und Phrasierungen.

Unser Songschreiber schöpft furchtlos seine Topoi aus: „You Can’t Hurt Me Now“, „Death Final“, „You Are Lost“, „I Am Goodbye“ und „Without Work, You Have Nothing“ sind allerschönstes Hank-Williams-Terrain, und wenn er Süßholz raspelt („Heart’s Arms“), übertrifft Billy sogar Neil Young mit Chor, Fiddle und Pathos. „There Is Something I Have To Say“ hat die nackte, gespenstische Intensität eines späten Songs von Nick Drake.

Bei allem Bravado, aller Gefühligkeit entrinnt der Künstler doch stets mit kühnen Wendungen und Modulationen, mit Soli und Gesang den Manierismen des Genres- es ist, als hörte man Country-Melodram zum ersten Mal. „Beware“ ist nicht wie “ Off The Wall“, sondern wie “ Gilded Palace Of Sin“. Ja, so groß. (Domino)


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