Bonnie „Prince“ Billy
„We Are Together Again“
Domino (VÖ: 6.3.)
Dunkle Lieder über das Ende und die ewige Liebe.
Es ist die Angst, die uns in dieser Zeit alle im Griff hat, über die Will Oldham zu Beginn des neuen Bonnie-„Prince“-Billy-Albums singt. Eingebettet in ein warmes Bett aus Streichern, Holzbläsern und Harmonien der Duchess-Sängerinnen Tory Fisher, Lacey Guthrie und Katie Peabody fragt er: „Why does the lion keep fear so alive instead of just letting us live in harmonious states where we all can just thrive and give what we’re able to give?“
Es sind dunkle Zeiten, aber Will Oldham hat ihnen sein bestes Album der (mindestens) letzten zwanzig Jahre abgerungen
Viel heller wird es nicht mehr auf diesem Album, das musikalisch an Großwerke wie „Master And Everyone“ (2003) und „The Letting Go“ (2006) erinnert und ebenso wie diese dem Unausweichlichen ins Auge sieht. „We give our hearts, we give our brains, we give our blood, we give our breath, we give ourselves, we give our children … to a construct we call death“, singt Oldham, der Trost liegt auf „We Are Together Again“ allein in den wohligen Klängen, die diese dunklen Poeme begleiten, der Stimme von Freakwaters Catherine Irwin, den Arrangements von Filmkomponist Ryder McNair, der Klarinette und dem Akkordeon von Thomas Deakin.
„The human times have come and gone“, verkündet Oldham, „we must accept our rule is done, though love is sown and will live on.“ Der Mensch ist am Ende, doch die Liebe geht weiter. Es braucht drastische Maßnahmen, in „Vietnam Sunshine“ schlägt er vor, die Glückseligkeit und Gleichheit in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken. Die leise Hoffnung, dass das gelingen kann, liegt in den Augen der Tochter und in der einenden Kraft der Musik: „Hope of something beginning to rise from the ring & hear someone sing … is it my voice, or, better yet, ours?“ Es sind dunkle Zeiten, aber Will Oldham hat ihnen sein bestes Album der (mindestens) letzten zwanzig Jahre abgerungen.
Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 3/2026.