Brendan Benson „Low Key“


Schnitzel (VÖ: 2.12.)


von

Auch Brendan Benson hat während der Pandemie im Homeoffice ein Album aufgenommen. Das auf acht Spuren beschränkte „Low Key“ dokumentiert zerfallende Beziehungen, den Stillstand des Lockdowns und ein Gefühl von Einsamkeit. Tatsächlich hat das Album an einigen Stellen eine gewisse Introspektion, aber Benson wäre nicht Benson, wenn sein Gespür für Power-Pop-Melodien nicht den grauen Himmel aufreißen würde. Etwa bei dem nach vorn preschenden „People Grow Apart“, das dem Frust eine humorvolle Seite abgewinnt.

Low key, played up

Genauso schön ist die sanft schunkelnde Liebeserklärung „Right Down The Line“, ein Cover des Gerry-Rafferty- Songs von 1978. Benson spielt ihn weniger smooth, dafür mit der gleichzeitig melodieverliebten und schnörkellosen Energie, die ihn bei den Raconteurs zum idealen Counterpart für Jack White machte. „This is my way of telling you everything that I could never say before“, heißt es im Text, und das mag insgesamt für dieses Album gelten.  Auch bei „Whole Lotta Nothin“ geht es um die Liebe. Benson singt im Dreivierteltakt über das Ende einer Beziehung und verhandelt gleichzeitig die grundsätzliche Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Es ist natürlich halb voll!

In dem summenden „Something A Little Like Home“ findet er die romantischen Gefühle in einem One-Night-Stand. Die Sonne geht auf, der reisende Musiker muss weiter. Wohl weil Benson im Heimstudio und zumeist allein gearbeitet hat, klingt „Low Key“ weniger voluminös und inszeniert als der Vorgänger, „Dear Life“ von 2020. Das ist kein Nachteil, sondern lässt einen Bensons Produktionskünste direkter erleben. Zudem haben mit dem Mixer Michael Ilbert in den Berliner Hansa-Studios und Masterer Greg Calbi in New Jersey ausgemachte Könner die letzten Gewerke übernommen. Das Lied ist der Star, der Sänger ist der Star, und natürlich sind der Star auch die Gitarren, die Benson mit großer Liebe zu klassischen Seventies-Rock-Sounds arrangiert. Low key, played up.


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