Broilers: Santa Muerte (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Broilers Santa Muerte


People Like You/Century Media/EMI Am 10. Juni 2011


von

Das könnten gute Zeiten werden: Die Broilers aus Düsseldorf veröffentlichen ihr neues Album in Kooperation mit JKP, dem Label der Toten Hosen, das sich in Zukunft offenbar auch um das Management der Band kümmert. Hosen-Produzent Vincent Sorg hat mit dem Quintett nun das dazu passende Album aufgenommen – eine große, positive, hymnische Platte mit Punkrock und frontalen Linksrechtsgitarren, aber auch mit Reggae-, Ska und Folkrock-Elementen. Fast jeder Refrain taugt für die Hauptbühnen der kommenden Festivalsaison, man sieht vor dem inneren Auge schon die wogenden Mengen.

Doch nicht nur die saftig kraftvolle Produktion und die allgemeingültigen Melodien empfehlen die Broilers für einen Karrieresprung. Die Protagonisten der Lieder auf „Santa Muerte“ haben die großen, verzweifelten Träume der kleinen, verzweifelten Leute – darin kann sich jeder wiedererkennen. Unter Tausenden auf der Wiese und allein im Bus mit dem Kopfhörer im Ohr.

Die Broilers verraten diese Sehnsucht nicht, sondern überhöhen sie zum heldenhaften Gefühl. Raus aus der Vorstadt, aus der Lethargie und dem Stumpfsinn, auch aus der politischen Idiotie der Alltagsfaschisten – dieses Anliegen haben die Broilers ja schon früh formuliert. Ein bisschen aufrütteln, ein bisschen gegen den Strom schwimmen, ein bisschen sinnvoll leben – das ist das klassische Thema der politischen Punks, das auf dieser Platte massentauglich präsentiert wird.

Die erwähnten Folkrock-Elemente erweitern das sonst etwas eingeschränkte melodische Repertoire. Bei „Wie weit wir gehen“ drosseln die ehemaligen Oi!-Punks die Verzerrrung so sehr, dass ein Lied in der Tradition britischer Indiebands wie die Levellers oder New Model Army entsteht. Ein schöner Moment, der zeigt, dass die Broilers ihre eigene Vorstadt längst verlassen haben.


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Ein Meilenstein der Independent-Musik, erweitert um Peel Sessions und Remixes


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