Crosby, Stills & Nash: "Demos" (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Crosby, Stills & Nash „Demos“



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Demos im Rahmen eines neu vorgelegten LP-Klassikers oder einer umfangreichen Werkschau zu veröffentlichen, ist oft reizvoll, wenn diese Ur-Aufnahme die ganze Klasse der Komposition mehr als nur andeutet. Ein ganzes Album nur mit Demos zu präsentieren, zeugt eher von ziemlich Selbstüberschätzung und Eitelkeit.

Beim hier vorliegenden Dutzend handelt es sich bei näherem Hinsehen auch weniger um Demos denn um Probe-Sessions, betreut von namhaften Produzenten und Tonmeistern (vom Kaliber Henry Lewy und ähnlichen Profis) in renommierten Studios, aufgenommen zwischen 1968 und 1971. Was die Herren Crosby, Nash und Stills -allein mit ihrem Tonmann vor dem Mikro in neun der zwölf Fälle- an neuen Songs probierten, landete im übrigen vielfach gar nicht auf den gemeinsamen Projekten, da reservierte man etliche der besten schon mal für die eigenen ersten Solo-LPs!

Crosby beispielsweise „Music Is Love“, hier die mit Graham Nash und Neil Young aufgenommene Basis-Tonspur, die er selber später mit reichlich Overdubs zu einem sehr high-fidelen Schmuckstück auf „If I Could Only Remember My Name“ fertig produzierte. Dasselbe machte Stephen Stills mit „Love The One You’re With“, weil er offensichtlich keinen Sinn darin sah, das für ein drittes Album der Gruppe aufzuheben. Stattdessen borgte er sich von den Rolling Stones Andy Johns als Tonmann aus, bat neben John Sebastian, David Crosby und Graham Nash auch die Damen Rita Coolidge und Priscilla Jones ins Studio, und fertig war einer der unwiderstehlichsten Ohrwürmer seiner Karriere.

Wenn die solo unplugged von Crosby vorgetragene Version von „Déju vu“ eines trotz der melancholischen und sehr stimmigen Interpretation beweist, dann, dass seine Kompositionen am meisten von den instrumentalen wie vokalen Beiträgen der Kollegen profitierten. Die von Stephen Stills wiederum nicht notwendigerweise: Das hier erstmals überhaupt veröffentlichte „Singing Call“, Jahrzehnte aus völlig unverständlichen Gründen unter Verschluss gehalten, ist die schönste Trouvaille der ganzen Platte, von derselben Klasse wie „4 + 20“ auf dem CSN&Y-Werk oder „Black Queen“ auf seinem eigenen Solo-Erstling.

Gänzlich auf die schiere Folk-Essenz reduziert, sind die Songs der Kollegen hier nicht annähernd so komplett, während man im Fall von „Singing Call“ fragen darf, was der durch Produktion noch hätte gewinnen können. Wie schon „Just Roll Tape“ neulich belegt auch „Demos“: Mr. Stills war nicht nur der hochkarätigere Gitarrist, er gehörte doch in eine andere Songschreiber-Liga. (Rhino)

Franz Schöler


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