Elvis Presley: Elvis In Memphis (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Elvis Presley Elvis In Memphis



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Trotz toller (gleichwohl mäßig erfolgreicher) Singles wie „Big Boss Man“, „U. S. Male“ und „Guitar Man“ im Lauf der Filmkarriere fast zu einer Lachnummer geworden, ließ sich Elvis Presley im Sommer 1968 auf die Idee zu einem TV-Special ein und läutete damit ein unglaubliches Comeback ein – zumindest daheim mit dem LP-Kondensat aus demselben seit Jahren erstmals wieder in den Top 10 der LP-Hitparade. Ein Motiv der Show knüpfte folgerichtig auf der Hülle der nächsten Studio-LP daran an.

Die präsentierte das fast zu fallen drohende Idol nach dem weltweiten Hit „In The Ghetto“ mit einem gründlich runderneuerten Image. Die zwölf Songs hatte man aus knapp drei Dutzend ausgewählt, die er zurück in Memphis, aber neues Studio, neuer Produzent, ganz neue Begleitmannschaft, der langjährige Musical Director Felton Jarvis diesmal außen vor – unter der Aufsicht von Chips Moman in dessen American Sound Studio im Verlauf von sieben Sessions im Januar 1969 und fünf weiteren in der dritten Februarwoche aufgenommen hatte.
Das Ergebnis der besagten Sessions bietet die neue Jubiläums-Edition komplett.

Diesmal also „From Elvis In Memphis“ gekoppelt mit „Back In Memphis“, als Zugabe vier auf den beiden Original-LPs nicht enthaltene Aufnahmen sowie die fünf Singles, die damals erschienen, mit den zehn Songs in Mono-Mixes. Nicht genutzt wurde leider die Chance, die Songs komplett in der Reihenfolge zu präsentieren, in der sie aufgenommen wurden. Das wäre nicht zuletzt deswegen ungemein reizvoll gewesen, weil man damit – auch ohne Nutzung der vielen erhaltenen Outtakes! – den Schaffensprozess hätte dokumentieren können, der die Basis für dieses Comeback war.

Begonnen hatten die Sitzungen in einer nervös angespannten Atmosphäre – für keinen von Momans bewährten Session-Cracks war selbstverständlich, dass sie mit dem Superstar und seiner mit ihm anrückenden, unvermeidlichen Entourage auf Anhieb klar kommen würden. Acht Takes hatte man zu Beginn der ersten Nacht schon von „Long Black Limousine“ gespielt, als ein leicht erkälteter Elvis sich endlich so emotional auf die Geschichte des Songs einließ, dass er hier nach dem Empfinden von Peter Guralnick für eine der überragenden Interpretationen seiner Karriere zu Hochform auflief. Auch die alles andere als sentimentalen Begleiter waren sehr beeindruckt davon, wie hier jemand über sängerisches method acting hinaus soviel Gefühl in ein Lied investierte.

Das fand er auch für „Suspicious Minds“, gab sich mit der Deutung von „In The Ghetto“ erst nach 23 Takes zufrieden und war auch mal selbstkritisch bis leicht zerknirscht, wenn der Produzent ihm erklärte, dass er an einem Song doch noch weiter feilen müsse. Neben den Ausflügen in Country-Gelände gehören Blues-Klassiker (Percy Mayfields „Stranger In My Own Home Town“) und Southern- Soul-Evergreens (das vorher schon von Tracy Nelson und Mother Earth ganz hinreißend aufgenommene „Without Love“) zu den Höhepunkten dieser Nächte. Besonders stolz aber war er auf seine Interpretation der Kenny Gamble/Leon Huff/Jerry Butler-Komposition „Only The Strong Survive“, mit der letzterer damals gerade den größten Hit seiner Karriere hatte.


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