Falco
„Falco 3“
A&M/Sony Music (VÖ: 24.10.)
Ösi-Klischees, Wiener Dekadenz und Schmalzpop.
Die Stücke der ersten Alben, „Einzelhaft“ und „Junge Roemer“, sind Weltklasse, nicht nur weil Falco „Roemer“ in seiner Schreibweise internationalisierte. Dies war Crooner-Pop eines Österreichers, dem sein Land zu klein ist und der gern so groß wäre wie Bowie. Kurioserweise war es der Erfolg mit „Rock Me Amadeus“, 1985 in den USA und im UK auf Platz 1 der Charts, der Falco zu Johann Hölzel werden ließ: ein wenig provinzieller. Die Bolland-&-Bolland-Brüder ebneten ihm den Weg für jenen Wien-Sound, der alle Klischees erfüllte, die jeder außerhalb Österreichs in den 80er-Jahren von Musik aus Österreich pflegte: protziger Schmäh, Perücken und Puder, Hard-Rock. „Jeanny“, in dem Falco einen Vergewaltiger mimt, wäre heute als Rollenprosa erkannt worden und könnte keinen Skandal mehr auslösen.
Falco setzte keine Trends mehr, aber folgte ihnen schnell
Spätestens 1987, mit dem Brigitte-Nielsen-Duett „Body Next To Body“, wurde Falco ein zur Selbstparodie verdammter Wiener. Dabei gönnte man ihm auch mit „Falco 3“ den Erfolg, weil der Typ größenwahnsinnig war und glaubte, mit dieser Sprache die Welt erobern zu können. Ob Falco die „Amadeus“-Parodie in den „Simpsons“, als das Lied für ein „Planet der Affen“-Musical verfremdet wurde, mitbekam, ist nicht bekannt.
Die Jubiläumsedition erscheint auf drei CDs (37 Tracks) bzw. drei LPs (23 Tracks). Hätte Miloš Forman 1984 nicht im Zuge seines Biopics („Amadeus“) eine PopkulturRenaissance des Salzburger Genies eingeleitet, niemand hätte wohl verstanden, was mit Falcos hier verfügbarer „Salieri Version“ von „Rock Me Amadeus“ gemeint sein könnte. Falco setzte keine Trends mehr, aber folgte ihnen schnell.
Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 12/2025.