Genesis: „The Last Domino?“ – Collins schlägt Gabriel



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Spielverderber sagen: „Genesis ohne Peter? Das ist nix“, und Neunmalkluge sagen: „Und ohne Steve sind sie auch nix!“ Gitarrist Steve Hackett mal beiseite: Das Duell Phil Collins gegen Peter Gabriel geht doch, zu- mindest mit Blick auf diese 27 Stücke, recht deutlich aus. Für nur fünf davon zeichnet Gabriel als Komponist oder Sänger verantwortlich. Diese schlechte Quote ist insofern wichtig, als die drei verbliebenen Genesis-Mitglieder die Songauswahl für diese Greatest Hits selbst getroffen haben (im Zuge der Musealisierung von Musik spricht man heute immer öfter von „kuratiert“). Das Set soll auch einen Ausblick auf die Setliste der anstehenden „The Last Domino?“- Tournee bieten, die, wenig überraschend, nicht groß von der letzten Genesis-Tournee von 2007 abweichen wird. Denn das letzte Studioalbum des Trios datiert auf das Jahr 1991. Und weder Gabriel noch Hackett sind 2021 als Gäste vorgesehen.

Die Hits sind so überwältigend wie ein Best-of von Phil Collins: „Mama“, „Land Of Confusion“, „Invisible Touch“, „Turn It On Again“, „Jesus He Knows Me“, „That’s All“. Aber das Doppelalbum versammelt auch einige jener Prog-Rock-Epen, die stets so klingen, als ob die Band sich nach Gabriels Weggang dazu aufraffen musste, sie überhaupt zu komponieren, oder als hätte nur Keyboarder Tony Banks ganz vehement darum gebeten: „Domino“, „Fading Lights“, „Home By The Sea/Second Home By The Sea“. Die besseren Phil-Collins- Genesis-Lieder – und Genesis-Lieder ab 1978 sind Phil-Collins-Genesis- Lieder – sind diejenigen unter sechs Minuten.

Eine chronologische statt willkürliche Anordnung der Songs, deren älteste vom fünften Album, „Selling England By The Pound“ von 1973, stammen, hätte die Entwicklung zur Pop-Band noch etwas deutlicher aufgezeigt. Der Peter-Gabriel-Klassiker „Carpet Crawlers“ wäre dennoch ein würdiges Abschlussstück gewesen. Stattdessen beschließt Collins das Set mit „Abacab“: „Do you think I’m to blame?/ Tell me, do you think I’m to blame?“ (Universal)


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