Im Kino: 127 Hours Regie: Danny Boyle


20th Century Fox Kinostart: 17. Februar 2011

Wozu der Überlebenswille einen Menschen treiben kann: Aron Ralston stürzte im April 2003 in eine Bergspalte, als er durch den Blue John Canyon im Südwesten von Utah kletterte. Der Felsbrocken, der beim Sprung nachgegeben hatte, klemmte ihm am Boden den rechten Arm ein. Fünf Tage lang versuchte er sich zu befreien. Schließlich brach er sich den Unterarm und schnitt ihn mit einem stumpf gewordenen Taschenmesser ab. Eine unvorstellbare Tat und ein Triumph im Angesicht des Todes.

Diese wahre Geschichte hat Danny Boyle nun verfilmt und dabei das Kunststück vollbracht, ein Szenario der Bewegungslosigkeit als visuell atemberaubenden Wirbel zu inszenieren. Sein Drama spiegelt vor allem den Charakter des Extremsportlers als rastloser Einzelgänger wider, den James Franco mit vibrierender Energie verkörpert. Im Prolog sieht man Menschenmassen bei Konzerten, an der Börse, auf Autobahnen, in Metropolen und sogar in Mekka. Davor scheint Aron geradezu zu flüchten, so hastig bricht er am Wochenende zu den roten, faszinierenden Gesteinsformationen in den einsamen Canyonlands auf. Er geht nicht mal mehr ans Telefon, als seine Mutter anruft, und gibt beim Packen die Suche nach seinem Schweizer Armeemesser auf. Im Jeep brettert er über die Pisten in die Nacht hinein. Obwohl er sich noch mal zur Ruhe legt, ist der Film schon mit so viel Adrenalin aufgeladen, dass einen auch als Zuschauer die Aufregung packt.

Am nächsten Tag bricht Aron mit dem Mountainbike auf. Unter seinen Ohrstöpseln hämmern treibende Beats. Sein Tempo ist höllisch, furchtlos, er johlt aufgekratzt. Nicht mal ein Sturz irritiert ihn lange. „Mehr Spaß kann man angezogen nicht haben“, so quittiert er das „Jackass“-Gefühl. Kurz darauf trifft er die beiden Wanderer Megan (Amber Tamblyn) und Kristi (Kate Mara), denen er mit einem Sprung ins Dunkel einen unterirdischen See zeigt. Auch dieser entspannte Flirt, eine wiederholte dramaturgische Verzögerung und schicksalhafte Mahnung, hält ihn nicht auf. Kurz darauf steckt er fest.

Für einige Sekunden setzt eine Stille ein, die lauter scheint als die Musik zuvor. Aron reagiert eher genervt als geschockt und geht sein Missgeschick wie eine sportliche Herausforderung an. Er bearbeitet den Felsen mit einem billigen Klappmesser, bastelt einen Flaschenzug und filmt sich dabei mit seinem Camcorder. Schmerzen, Durst und Kälte aber bringen ihn an den Rand des Deliriums. Sarkastisch imitiert er eine Talkshow (der echte Aron war hinterher bei David Letterman), wobei er sich als egoistischen Idioten veralbert. Und seine Lebensbeichte zwischen Wut und Resignation mündet mit berührender Tragikomik in Erinnerungen an die Eltern und seine Ex-Freundin, von deren Liebe er sich eingeengt glaubte.

Mit ungeheurer Dynamik verknüpft Boyle mystische Naturbilder, Halluzination und Realität. Einmal rast die Kamera durch die Nacht bis zur Party, zu der die Mädchen Aron eingeladen hatten. Eine süße Sehnsucht vor seiner schmerzhaften Katharsis.


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