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Woody Allen Irrational Man


Von traumatischen Erfahrungen bei humanitären Reisen durch Afrika und starkem Alkoholkonsum gezeichnet tritt der Philosoph Abe eine Dozentur an einem kleinen Ostküstencollege an. Die enthu-siastische Studentin Jill ist fasziniert von der romantischen Fassade des Einzelgängers, findet aber nur langsam Zugang zu dem verschlossenen Denker. Als die beiden in einem Restaurant eine Unterhaltung über einen korrupten Bundesrichter mithören, glaubt Abe durch einen Mord seinen Lebenssinn zurückgewinnen zu können und eine moralisch gerechte Handlung zu begehen.

Nach der enttäuschenden Nostalgiekomödie „Magic In The Moonlight“ ist Woody Allen mit „Irrational Man“ wieder ein formidabler, sehr gegenwärtiger Film gelungen. So lustvoll wie unterhaltsam untergräbt der ewige Skeptiker dabei philosophische Theorien zu ethischem Handeln und individueller Schuld mit einem süffisanten, doppelbödigen Kriminalplot.

Dass Allen sich thematisch und formell auf erprobtem Terrain bewegt, bekannte Verweise auf Dosto-jewski und Kierkegaard bemüht und „Irrational Man“ deutliche Spuren seiner früheren Werke „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“ und „Match Point“ trägt, gerät allerdings nicht zum Nachteil – seine Filme zeichnet seit je die gekonnte Variation und Kombination bekannter Topoi aus. Als beißende moralische Parabel, inszeniert mit den Mitteln einer Campuskomödie, besticht „Irrational Man“ abermals durch einen scharfen Blick auf die Paradoxien menschlichen Verhaltens.

Das liegt vor allem daran, dass Joaquin Phoenix mit seiner Wandlung vom geschundenen Akademiker zum kalkulierenden Sozio-pathen überzeugt, ebenso wie Allens aktuelle Muse, Emma Stone, die mit viel Witz und Verve über ihre schemenhafte Rolle hinauswächst. Wie schon „Blue Jasmine“ lebt „Irrational Man“ von den schauspielerischen Leistungen. Der Film vermag Allens Werk nichts Essenzielles hinzuzufügen, funktioniert im Kino aber bestens.


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