Jens Friebe „Wir sind schön“


Staatsakt (VÖ: 30.9.)


von

„Alle, die das hören, sind frei“ – da hat Jens Friebe nicht unrecht. Der Berliner surft auf seinem neunten Album über philosophisch-popkulturelle Monsterwellen: „Frei ist nur, wer nichts zu verlieren hat/ Hab ich im Ohr/ Ich hatte die Platte/ Aber ich hab sie verloren.“

Keine Sorge, das Album wirkt „sane“

Das Wurlitzer wabert auf „Was haben wir getan“ im Sechsvierteltakt durch den Raum, bis zu einem entfernten Saxofon, dazu deklamiert Friebe enigmatisch: „Was haben wir getan?/ Und hast du das Blut wegbekommen?/ Was haben wir getan?/ Besser, du rufst erst mal nicht mehr hier an.“ Hoffentlich nichts Schlimmes! Aber keine Sorge, das Album wirkt „sane“.

Friebes schöne, kalte, elektronisch knarzende Version von Leonard Cohens „First We Take Manhattan“ ehrt die Kraft des Originals und winkt zart mit dem Zaunpfahl, weil auch Cohen als Dichter und Songwriter brillierte. Synästhetiker:innen goutieren den Mix aus Sprachbildern und cleveren Sounds und Melodien garantiert, Fun-Boy-Three-Fans sowieso: In dem Song„Das Nichtmehrkönnen“ spielen Friebe und Tausendsassa Chris Imler mit Percussion, der Titel ist natürlich Untertreibung. Das alles ist überaus gekonnt.


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Sprung in den Jungbrunnen mit guten Haltungsnoten


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