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Leonard Cohen You Want It Darker

Columbia/Sony

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Die Orgel schliert und schwillt feierlich, der Bass brummelt, ein Kirchenchor setzt ein, und dann raspelt die finsterste Grabes­stimme von allen: „If you are the dealer/ I’m out of the ­game/ If you are the healer/ I’m broken and ­lame/ You want it darker, we kill the ­flame.“ Dann fleht ein Muezzin. „I’m ready, Lord.“ Und dann kann man sich auch schon wieder hinlegen. Joni Mitchell sagt, dass Leonard Cohen ein Boudoir-Poet ist, er hat von Albert Camus geklaut, immer seien alle nackt in seinen Songs, dauernd geht es ums Vögeln. Cohen hat also immer alles richtig gemacht.

„Only one of us was real/ And that was me/ I’m angry and I’m tired all the time/ I wish there was a treaty between your ­love and ­mine“: Wo immer das geklaut ist – besser kriegt man es ja nicht hin. Leonard Cohens Spätwerk handelt von der Sublimation, vom Übergang der Lust und der Versuchung in einen mystischen Zustand – aber davon handelt ja sowieso sein gesamtes Werk. Cohen ist 82 Jahre alt. Marianne Ihlen lebt nicht mehr, auf den griechischen Inseln gehen die Lichter aus, und vielleicht geht Cohen auch nicht mehr mit einer Erektion nach Hause, aber unbedingt sagt er noch immer: Ich bin dein Mann. Und er ist es auch.

Die Platten kommen in immer kürzeren Abständen zu seinem Geburtstag, „Popular Problems“ ist gerade zwei Jahre her, und mehr als acht, neun Songs und ein bisschen Elegie braucht es nicht. Der Sohn, Adam Cohen, der eine wenig erfolgreiche Karriere als Musiker verfolgt, hat dieses Album produziert, weniger schwülstig und läppisch als früher Sharon Robinson und zuletzt Patrick Leonard.

Aphorismen wie aus Marmor

Die Songs werden immer salbungsvoller und gravitätischer, alte Cohen-Melodien und Walzerseligkeit, Geigen, Balalaikas, Orgeln, Pedal-Steel-Gitarren liegen in der Luft, „I’m leaving the table“, „If I didn’t have your love“, „And no water in the sea“, das muss man sprechen können. Man denkt an die Konzerte, bei denen Cohen von Musiker zu Musiker geht und ihnen nach einem Solo dankt, indem er sich verbeugt und den Hut zieht. Die Platte „You Want It Darker“ ist diese Geste des Hutlupfens. Du willst es dunkler? Kannst du haben. Ich ziehe meinen Hut.

Diese Chorgesänge, das sind doch bestimmt die blonden Zwillinge aus Cohens Konzerten, und jetzt raspelt Leonard Cohen „Traveling Light“: „Good night, good night, my fallen star/ I know you’re right about the blues/ I’m a dreamer who forgot to dream.“ Aphorismen wie aus Marmor. „It sounded like the truth/ But it’s not the truth today.“ Und die Fiddle klezmert, und die Mönche gurren.

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  • Narrowfield

    An Leonard Cohens beeindruckendem letztem Album zeigt sich mal wieder, dass Wertungen in Sternen, Ohren, Punkten der Sache, bzw. dem Werk nicht gerecht werden. Ansonsten hätte ich schon bei Erscheinen der Besprechung von Arne Willander protestieren müssen, dass man diesem Meisterwerk nur vier Sterne zugesteht. Wichtiger ist: ähnlich wie Bowie hat sich Cohen mit einem Album verabschiedet, dass mich noch lange begleiten, oder soll ich sagen, verfolgen wird.