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Lianne La Havas Blood


Ein Bass zuckt tief, ein Fingerschnippen täuscht Lässigkeit vor. Verloren irren links eine Gitarre und rechts ein Klavier umher, spielen trotzig aneinander vorbei, während Lianne La Havas die Scherben einer Liebe aufkehrt, gegen die kribbelnde Spannung ansingt. Erst wenn sich der Song endlich dem Refrain nähert, findet alles zueinander und La Havas spricht das Entscheidende aus: Egal wie viele Sicherungen durchgebrannt sind, wie viele Kurzschlüsse es gab, in dieser Beziehung knistert es immer noch heftig. „Electricity lingers in our fingers“, singt La Havas, die Geigen zittern, der Song steht unter Strom. Die Dubstep-Ballade „Wonderful“, die La Havas mit Matt Hales (Aqualung) und Howard Lawrence (Disclosure) geschrieben hat, taugt zum modernen Klassiker, ist eine romantische Reminiszenz in der Tradition Irving Berlins oder George Gershwins – und der empfindliche Kern von „Blood“, dem zweiten Album der Britin mit jamaikanisch-griechischen Wurzeln.

Nachdem sie für ihr Debüt, „Is Your Love Big Enough?“ (2012), ausgiebig gefeiert worden war, begab La Havas sich auf Spurensuche nach Jamaika. Dort lernte sie, Songs statt um Melodien um Rhythmen herum zu bauen. Immer wieder ist es ein
fabelhafter Groove, der die Songs auf „Blood“ bestimmt. „Unstoppable“ zum Beispiel entwickelt sich entlang einer Bassfigur zu einer opulent verzierten Hymne, „Green And Gold“, „What You Don’t Do“ und „Toyko“ arbeiten sich mal poppig, mal soulig, mal funky, stets aber raffiniert an synkopierenden Beats ab.

So clever, so gewagt die Grooves auf „Blood“ sind, etwa wenn in „Grow“ oder „Never Get Enough“ Akustikgitarren, die von sanften karibischen Rhythmen getragen werden, auf grelle Beats treffen: Betörend ist die Platte vor allem, wenn Lianne La Havas eigene Unsicherheiten ausstellt, ganz bei sich selbst zu sein scheint. Wie in „Wonderful“, im Trauerstück „Good Goodbye“ sowie in der intimen Ballade „Ghost“, in der einmal mehr eine Beziehung zu Ende ist, ohne doch wirklich ganz zu Ende zu sein.


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