Pink Floyd Pulse

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„The Dark Side Of The Moon“ gehört zu den am häufigsten in Gänze durchgehörten LPs. Deshalb bot „Pulse“ vor 23 Jahren neuen Reiz. In einer Zeit, in der Played-in-Its-­Entirety-Konzerte rar waren, spielten Pink Floyd den Klassiker in voller Länge, aber nun befand sich „Us And Them“ auf Position eins –auf Plattenseite G. Und das Gesamtwerk rahmten Stücke wie „Wish You Were Here“ ein.

Vielleicht hat so manch einer den 24-Song-Zyklus „Pulse“ nur wegen der zehn „Moon“-Songs gekauft. Wie unwichtig aktuelles Material erschien, zeigte der Ausschluss ausgerechnet der „Division Bell“-Single „Take It Back“. Mit diesem Re­issue nun erhält das Boxset, das 1995 schon üppig aufgemacht war, auf vier LPs neue Würdigung. Das Hardcover-Booklet präsentiert Tourfotos in einem Schuber, der auch den „Hab’s extra mit Gewicht belastet – der Karton ist stabil“-Krämer­seelen gefällt.

Floyd-Hörer zählen sich zu den aufmerksamsten, manche scheinen ein Audiozimmer nur für „Moon“ eingerichtet zu haben. Tatsächlich dokumentierten Konzert-­Bootlegs Spielfehler bei den Auftritten. Die Band räumte ein, dass sie vor der Veröffentlichung von „Pulse“ Nachbesserungen bei Soli und Gesang vorgenommen habe.

Fußball-Chöre statt Ehrfurcht

Sicher ist es durchaus reizvoll, die 13:35 ­Minuten von „Shine On You Crazy Diamond, Parts I–IV, VII“ auf Werktreue hin zu überprüfen. Doch es sind gerade Nuancen, die „Pulse“ vor allem zur „Moon“-Huldigung machen. Die Beschleunigung von „Us And Them“, der noch klagendere Chor vom „Great Gig“, bei dem leider nicht mehr Clare Torry sang, aber immerhin „Stop!“-Sternchen Sam Brown.

Mangelnde Eitelkeit bewiesen Pink Floyd, als sie im Eröffnungsstück „Speak To Me“, jener sog­artigen Collage aus Herzklopfen, Wecker und Irrsinnslachen, die Stimmen der Konzertbesucher nicht leise drehten. Denn die ließen sich nicht einlullen vom Intro, das die Winzigkeit der Menschheit vertonte. Im Gegenteil, die Leute stimmten Fußball-Chöre an. (Parlophone/­Warner )

Coldplay: Geschichte einer enttäuschten Liebe

Was ist nur aus dieser Band geworden, die einmal so treffend den „Trouble“ nach der verloren gegangenen Liebe besang, sich in die Gehirnwindungen eines Wissenschaftlers vergraben konnte, das erbarmungslose Verstreichen der Lebenszeit in eine grelle Klavier-Tanz-Nummer überführte und den Titel eines ihrer kürzesten und schönsten Songs dem goldenen Mantra eines Kultbuchs für Nerds und Studenten entlieh? Ich muss zugeben, dass ich an Coldplay verzweifle. Ich kann nicht begreifen, wie es möglich sein kann, dass vier doch recht begabte Typen, die einen Haufen unsterblicher Lieder geschrieben haben, plötzlich aufgehört haben, Musik zu machen. Oder wenigstens Musik, die berühren will. Wie sensibel…
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