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Die Streifenpolizei - der Podcast für Film & Serien vom Rolling Stone & Musikexpress

Poliça & Stargaze Music For The Long Emergency


Auf „Marrow“ hört man den typischen Poliça-Sound. Markig dreschen die beiden Drummer ihren sehr urbanen Tribal-Beat, und Sängerin Channy Leaneagh klingt, als telefonierte sie eine Beschwerde durch ein Megafon aus Blech. Es ist der zweite Titel – und der einzige, der geradlinig an das bisherige Schaffen der Band aus Minneapolis anknüpft.

Ihren drängenden Synthierock mit politischem Drall und strenger Haltung haben Poliça bisher auf drei im Ganzen ziemlich guten Alben seit 2011 vorgeführt. Aber für dieses tat sich die Band mit André de Ridders modernem Kammerensemble Stargaze zusammen, nachdem sich die Formationen vor anderthalb Jahren in Berlin getroffen hatten: bei dem etwas prätentiösen und experimentellen Groß-festival mit rund 80 Künstlern, das Justin „Bon Iver“ Vernon 2016 organisierte (der Leaneagh früher mal bei der gemeinsamen Arbeit mit Gayngs kennenlernte).

Eine funktionstüchtige Mischung beider Stärken zeigt „Speaking Of Ghost“. Man hört Elektronik neben gleichberechtigt gedachten kleinorchestralen Arrangements. Es beginnt mit einem mulmigen Hornarrangement, dann kommt Leaneagh, und bald tauchen auch noch fast zackige, repetitive Streicher auf. Unterdessen rhythmisieren darunter die Drums zwar verhaltener und etwas dünner als sonst, aber nachhaltig und schick.

Kooperation

Nur repräsentiert auch dieses Stück das Album nur bedingt, was man am ersten und am längsten der nur sieben Titel festmachen kann. „Fake Like“ klingt wie mittelhübsches Songwritertum, leichter Yachtfunk-Einschlag, sagen wir frühe Judie Tzuke. Das zehnminütige „How Is This Happening“ erinnert in quasisakralem Tonfall an die dunkleren Passagen der beiden letzten Björk-Alben: Es mäandert scheinbar ziellos umher. Man hört erst unbewegt dräuende Schiffshorn-Sounds, dann rhythmisch Knirschendes und Schabendes, wozu die Drums langsam klopfen. Es entstand, heißt es, in der Nacht, als Trump gewählt wurde. In der Tat denkt man an Schockstarre. Gut möglich, dass sich das live besser erschließt, es handelt sich schließlich um oft anregende Musiker. Aber das Album hängt zu sehr zwischen freiem Raum und Popsong, es fehlt der rote Klangfaden jenseits Leaneaghs charakterstarker Stimme und dem eleganten Zierrat. (Transgressive/PIAS Cooperative)


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