„Prisoner“: Thrillerserie und Familiendrama in einem
In der britischen Serie „Prisoner“ brilliert Leonie Benesch als Auftragskillerin
Ob als idealistische Gymnasiallehrerin („Das Klassenzimmer“) oder fürsorgliche Pflegefachfrau („Heldin“) – meistens muss Leonie Benesch Gutmenschen spielen. Doch sie kann auch anders. In „Prisoner“ darf sie endlich mal eine Frau zum Fürchten sein. Benesch spielt zwar gar nicht die Hauptrolle in der britischen Thrillerserie. Doch wie sie sich in die eiskalte Auftragskillerin Nina Drâgus verwandelt, ist unbedingt sehenswert.
Eigentlich geht es in „Prisoner“ um die Gefängniswärterin Amber Todd (Izuka Hoyle), die gleich am ersten Arbeitstag nach der Geburt ihrer Tochter Mia für einen geheimen Gefangenentransport eingeteilt wird: Tibor Stone (Tahar Rahim) hat für ein Verbrechersyndikat Menschen umgebracht, jetzt soll er als Kronzeuge gegen seinen Arbeitgeber aussagen. Doch der Transport wird in einem Tunnel in Wales spektakulär überfallen, Amber kettet sich mit einer Handschelle an Tibor, und flieht mit ihm vor Nina, der Tibor einst alles beigebracht hat, und die jetzt den Auftrag hat, ihn auszuschalten.
„Prisoner“ variiert virtuos Thrillermuster – etwa, wenn sich in der vierten Episode die Dynamik abrupt ändert, als die Handschellenkette aufgebrochen wird (und die Deutsche Pia Strietmann die Regie übernimmt). Zudem packt Showrunner Matthew Charman (Drehbuch für Steven Spielbergs „Bridge Of Spies“), gleich mehrere Familiendramen in den Sechsteiler: Er erzählt von Amber und ihrer Tochter Mia, die irgendwann in die Hände von Nina gerät; von Tibors komplizierter Beziehung zu seiner Mutter, bei er auf der Flucht Unterschlupf findet; vom inhaftierten Syndikatsboss und seinem übereifrigen Sohn; und von Nina, die darunter leidet, als einzige eben keine Familie zu haben, die wahrscheinlich nur deshalb eine so tödliche Waffe ist – und hoffentlich bei der zweiten Staffel wieder dabei ist. (ARD Mediathek)