Richard Dawson „The Ruby Chord“


Weird World/Domino (VÖ: 18.11.)


von

Stolze 41 Minuten lang ist der erste Song des neuen Albums von Richard Dawson, als ob man langsam in die immer eigenwilligen, fremdartigen Welten des britischsten aller Exzentriker hinübergleiten soll. Erst nach zwölf Minuten singt Dawson, und gleich ist man berührt von dieser Musik, die von aller Prätention befreit zu sein scheint. Manchmal singt ein Chor mit einem erhabenen Sinn für alles Menschliche, manchmal zerstört ein atonaler Ausbruch jedes Gefühl von Kohärenz. Für die Fähigkeit, etwas Grundwahres zum Ausdruck zu bringen, bekommt Dawson nicht nur im UK viel Wertschätzung.

Von aller Prätention befreit

Wundervoll ist auch „Museum“, in dem es um die lange ausgestorbene Menschheit und ihr schwer nachvollziehbares Gebaren geht. Für „The Ruby Chord“ erdachte Dawson offenbar eine Sci‑Fi-Welt, in der die physische einer virtuellen Wirklichkeit gewichen ist. Englischer Folk und Abstraktion, Soft Machine und Bonnie „Prince“ Billy und so viel Menschlichkeit – all das spürt man gleichzeitig. Aber vor allem Dawson selbst, dessen Perspektive auf die Musik und die Welt einzigartig ist.


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Songs zwischen Abschied und Ankunft


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