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Tame Impala Currents


Einen interessanten Weg haben die australischen Tame Impala auf ihren nunmehr drei Alben seit 2010 zurückgelegt. Wobei es ja eigentlich nur eine zahme Antilope gibt – einen Schlafzimmerproduzenten namens Kevin Parker, der sein Projekt nur für die Touren erweitert: mit Kumpels aus der geistesverwandten neopsychedelischen Rockband Pond. In diesem Sinne wirkte auch Parkers großartiges Debüt, „Innerspeaker“, noch grundlegend von den verschlierten Spätsechzigern geprägt, alles voller Phaser und Wah-Wahs, mit rauschigem Trommeln, rückwärts gewölbten Schlaufen und spacewärts sich dehnender Stimme. Der zeitgemäße Ansatz lag eher im atmosphärischen Unterschied: Man konnte die Produk-tionsbedingungen hören. Doch schon auf „Lonerism“ hatte sich Parker, gemixt von Dave Fridmann, stärker ins Digitale gebeugt.

Mit „Currents“ verlässt er sein Stammterrain auch in den Rhythmen. Weil er die psychedelische Ent-grenzung nun auch im kontinuierlichen Energiestrom der Tanzmusik entdeckt hat, klingt „Currents“ nicht nur deutlich und flirrend elektronisch dominiert, sondern auch stärker an Clubsounds interessiert – „Let It Happen“, wie es der prachtvoll preschende Opener fordert. Dort möhrt er achteinhalb euphorische Minuten lang über einen poppigen, bunt fanfarisch geschmück-ten House-Beat, mit schwelgenden Streicher-Synths und einer süß steigenden Stimme. Wie stets erinnert sie ein wenig an John Lennon, aber durch die Pet Shop Boys gefiltert. Er feiert mit 80er-R&B-Drall brummend und britzelnd moduliert „The Moment“, säuselt in „Past Life“ verhallend zu einem flauschigen HipHop-Beat, und ein Hauch Michael-Jackson-Falsett strömt nicht nur durch den entspannten Groove von „Cause I’m A Man“. In der Gitarren-arbeit und den Drumsounds erkennt man durchaus die Rockprägung. Doch die Stimmung erinnert mehr an Caribou oder Jamie xx als an die frühen Pink Floyd. Ein Abschied ist dies aber nicht: Parker umarmt seine neuen Sounds voller Wärme, sie fügen einfach weitere Farben hinzu.


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