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Tangerine L.A. Regie: Sean Baker

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von
Tangerine
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Foto: Duplass Brothers Productions

Weihnachtszeit, o du selige. Die transsexuelle Prostituierte Sin-Dee hat gerade eine einmonatige Haftstrafe für ihren Zuhälter Chester abgebüßt und sitzt an Heiligabend mit ihrer besten Freundin, Alexandra, in dem kleinen Donutshop am Strip, wo die Sexarbeiterinnen ihre Geschäfte abwickeln. Chester hat sich zu ihrer Entlassung nicht blicken lassen, und Alexandra steckt ihr ganz beiläufig auch den Grund: Der Boyfriend hat sich in der Zwischenzeit eine Neue angelacht, voll ausgestattet, heißt „mit Vagina und allem“. Sin-Dee ist zwar ein loyales Mädchen, sie kann aber auch zur Furie mit Dramaqueen-Qualitäten werden.

Und so läuft Sean Bakers Milieukomödie „Tangerine L.A.“ innerhalb weniger Minuten auf voller Betriebstemperatur, was vor allem der Naturgewalt Kitana Kiki Rodriguez zu verdanken ist, die auf der Suche nach Chester und Dinah, der Neuen, wie ein Tornado durch die Straßen von Los Angeles pflügt. Zunächst mit Alexandra im Schlepptau, die am Abend noch einen Auftritt in einem Dragclub hat, später mit ihrer Nebenbuhlerin, die sie an den Haaren zur finalen Konfrontation mit Chester schleift. „Tangerine L.A.“ besitzt eine atemlose, frenetische Energie, die schnellen Schnitte erinnern an Twerking-Musikvideos, dazu schlägt der pumpende Trap/HipHop-Soundtrack permanent Alarm. Auch Los Angeles hat lange nicht mehr so gut ausgesehen.

„Tangerine L.A.“ wurde auf einem Smartphone gedreht, was man seit Lars von Triers Dogma-Manifest als albernen Manierismus abtun könnte. Aber es funktioniert. Die in goldenes Sonnenlicht getauchten Bilder besitzen eine eigenartige Instagramnoir- Ästhetik, sie wirken – mithilfe von Farbfiltern und anamorphotischen Objektiven – so stark verkünstelt, dass die Screwball-Comedy zur Farce hochgejazzt wird, in der Sin-Dee und Alexandra hüftschwingend die Straße ablaufen und elaborierte Wortgefechte austragen. Am Ende aber zählt nur die Solidarität unter den Mädchen, schließlich ist Heiligabend und die Welt voller homophober Arschlöcher. Wirklich ein toller Weihnachtsfilm.

Trailer

https://www.youtube.com/watch?v=CWtiA4RQvlY
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