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Tom Petty Wildflowers And All The Rest


Warner


von

Anfang der Neunziger war Tom Petty kommerziell auf dem Höhepunkt seiner Karriere und emotional an einem Tiefpunkt angelangt. Seine Ehe ging zu Bruch, er wollte aus dem Vertrag mit seinem Label MCA raus, und auch das Verhältnis zu seiner Band, den Heartbreakers, war zerrüttet.

Der Songwriter verbarrikadierte sich mit dem Produzenten Rick Rubin und dem treuen Gitarristen Mike Campbell im Studio. Die restlichen Heartbreakers wurden nur eingelassen, wenn man sie brauchte. Den streitsüchtigen Schlagzeuger Stan Lynch brauchte man gar nicht, der wurde durch den Session-Musiker Steve Ferrone ersetzt (nur einmal trommelte Ringo Starr). Nach „Full Moon Fever“(1989) würde dies Pettys zweites Soloalbum werden.

Rubin war durch den von Jeff Lynne (ELO) perfekt auf Eighties-Pop getrimmten ersten Alleingang zum Petty-Fan geworden, doch für die neuen Songs schwebte ihm der warme organische Sound von Alben wie „Rub­ber Soul“, „Pet Sounds“ und „Younger Than Yesterday“ vor. Er wollte Petty zu den Quellen seiner Musik zu-rückführen.

Und Petty hatte einen Lauf und schrieb tatsächlich Lieder, die es mit den Klassikern aufnehmen konnten. Er verstand es, sein privates Leid in konzise melancholische Popsongs zu fassen, die von Abschied, Trennungsschmerz, Midlife-Crisis und Rock’n’Roll-Nostalgie handelten.

Umbesetzte Herartbreakers spielten wie entfesselt

In einem Interview erklärte Rick Rubin kurz nach Pettys Tod 2017, man habe der Präzision der Songs die Jahre der Zusammenarbeit mit dem Pop-Feinmechaniker Lynne angemerkt. Die umbesetzten Heartbreakers hauchten ihnen Leben ein und spielten vor allem bei Rock’n’-Roll-Nummern wie „You Wreck Me“, „Honey Bee“ und „Cabin Down Below“ wie entfesselt.

Nach zwei Jahren hatten Petty und Rubin genügend Material für ein Doppelalbum. Doch der väterliche Freund und Plattenboss Lenny Waronker, der die beiden zusammengebracht und das Projekt zu Warner geholt hatte, redete ihnen das aus. Einige der schließlich nicht verwendeten Songs veröffentlichte Petty 1996 auf dem Soundtrackalbum zu Ed Burns’ Komödie „She’s The One“, doch bis zuletzt suchte er nach einer Möglichkeit, „Wildflo­wers“ in seinem Urzustand zugänglich zu machen, ohne dass es wie eine gewöhnliche Wiederveröffentlichung mit Bonus-Tracks aussah – denn für ihn waren die ursprünglich gestrichenen Songs keine bloßen Beigaben sondern essenziell.

Das kommt im Titel, den seine Erben für diese langerwartete Veröffentlichung nun wählten, allerdings nicht so ganz rüber: „Wild­flowers & All The Rest“. Das remasterte Album wurde für diese Edition aus soundtechnischen Gründen auf zwei LPs gepresst, der „Rest“ befindet sich auf einer Bonus-LP und ist tat-sächlich mit wenigen Ausnahmen ebenbürtig.

Das bereits vom „She’s The One“-Soundtrack bekannte, Brian-Wilson-Magie verströmende „Hung Up And Overdue“ ist hier das Glanzstück, das dunkle „Confusion Wheel“ und das herrlich melancholische „Something Could Happen“ sind Schlüsselstücke, die Pettys Seelenzustand zu jener Zeit deutlicher zeigen als die bereits bekannten Songs.

Ein vollendetes Album

Die Deluxe-Edition von „Wildflowers & All The Rest“ bietet zusätzlich zu Album und Outtakes noch Pettys Demos (inklusive der äußerst hübschen, bisher unbekannten Songs „There Goes Angela“ und „A Feeling Of Peace“ sowie des später als „Have Love Will Travel“ für „The Last DJ“ aktivierten „There’s A Break In The Rain“) und Live-Aufnahmen der „Wildflowers“-“Stücke, die die Heartbreakers auf der Höhe ihrer Kunst zeigen.

Tom Petty hinterlässt uns nicht – wie viele zu früh verstorbene Musiker – ein unvollendetes, sondern ein vollendetes Album.


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