U2 Songs Of Experience

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Es geht um den Tod, diesmal Bonos eigenen: „I shouldn’t be here/ ’Cause I should be dead“ und „I can’t believe my existence/ I see myself from a distance/ I can’t get back inside“. Was ihm widerfuhr, verrät er nicht. Aber der „Songs Of Innocence“-Nachfolger dokumentiert, nach Bonos Nahtod-Erfahrung, einen ungeplant großen Zeitsprung. Behandelte „Innocence“ die Kindheit im Terror-erschütterten Dublin, auch die erste Liebe, erste Lieder, folgt nun das Endspiel. Klopfen an der Himmelspforte: „Jesus, if I’m still your friend, what the hell you got for me?“ Dass Bono noch häufiger über Liebe singt, zeigt seinen Überlebenswillen.

„Experience“ ist „Innocence“ überlegen, weil „Innocence“ Identifikation erschwerte. Bonos Kindheit im IRA-Irland war hart, aber letzten Endes sang davon einer der heute bekanntesten Rockstars. Es war Zeugnis einer einzigartigen Aufstiegsgeschichte. Der Tod in „Experience“ aber ist das Thema, das jeden angeht. Und auch wenn das plötzliche Wissen um Sterblichkeit Akzente der Platte verschob – es bleibt Raum für Politik, etwa Treffer gegen Trumps Amerika, das sich Einwanderern verschließt. „American Soul“, das wie andere Stücke Melodien von „Innocence“ zitiert, betont Gründungsideale der USA, die der Präsident verrät: „It’s not a place/ This country is for me/ A thought that offers grace.“ Etwas zu poetisch vielleicht geht Bono die Flüchtlingskrise an: „So many lost in sea last night …“ („Red Flag Day“).

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Der Sound? Wenig Experimente, eher guter Geradeaus-Rock. Nur einen Fehler machen U2, den ersten dieser Art nach 41 Jahren: Sie wollen auch mal wie die Jungen klingen. Nutzen Vocoder, sogar Auto-Tune, lassen „Get Out Of Your Own Way“ in R&B-Harmonien swingen. Die Band sollte ihren Stärken vertrauen. Brian Eno verstand es, U2 immer aufs Neueste in U2 zu entdecken. Produzent Ryan Tedder klopft sie gelegentlich zu weich.

U2 sind nach den Stones die größte Band der Welt. In diesem Bewusstsein hätte die Gitarre von The Edge häufiger dazwischengrätschen dürfen. (Universal)

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