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Rewind Today 1968: The Jimi Hendrix Experience veröffentlichen ‚Electric Ladyland‘


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Aus Rolling Stone 3/2008:

„Das Publikum“, so hat Max Goldt einmal treffend festgestellt, „applaudiert nicht, weil es ein Lied mag, sondern weil es das Lied kennt.“ Unter diesem Verdikt leiden Musiker von jeher, manche mehr, manche weniger. Jimi Hendrix jedenfalls litt massiv, denn fünf, sechs Tage die Woche vor bekifften Hippies die Hits „“Hey Joe“ und „“Purple Haze“ runter zu nudeln, beleidigte nicht nur seine Intelligenz, es behinderte auch seinen ausgeprägten Forscherdrang. Das Studio als kreatives Refugium für vom Alltagsgeschäft zermürbte Künstler war seit den Beatles und „Sgt. Pepper’s“ Realität, im New Yorker „“Record Plant“ wurde das Konzept Anfang 1968 zuende gedacht: Das Studio in Manhattan war keine schmucklos eingerichtete Produktionsstätte mehr, in der weiß bekittelte Techniker an Knöpfen drehten und um zwölf zum Mittagessen in die Kantine entschwanden, sondern ein hippes Wohnzimmer mit angeschlossenem Studiobetrieb, ein Ort, an dem sich die Musiker wohl fühlen konnten.

Hendrix war begeistert. Nicht nur die angenehme Atmosphäre sagte ihm zu, auch die im Record Plant verbaute Technik begeisterte ihn: Selbst die Beatles, bislang technologische Vorreiter, hatten in den Abbey Road Studios lediglich mit Vierspurmaschinen gearbeitet. Ihr Produzent George Martin verstand es zwar, durch geschicktes Überspielen auf weitere Geräte Tonspuren erneut frei zu schaufeln, doch irgendwann half aufgrund klanglicher Einbußen auch dieser Trick nicht mehr weiter. Im Record Plant hingegen stand eines – von insgesamt zwei damals gebauten – Zwölfspurgeräten der Marke Scully.

Vorsprung durch Technik. „Electric Ladyland“, erschienen im Oktober 1968 und das dritte Album der Jimi Hendrix Experience, ist genau das, was es in Anbetracht der Umstände zu sein hatte: ein Zeugnis kreativer Freiheit, klanggewordene Hippie-Community, Grenzüberschreitung und Experiment. Im Studio hingen ständig allerlei Leute herum, Musikerkollegen, Freunde, Fans, Hippies von der Straße. Hendrix genoss das kreative Chaos, er organisierte spontane Sessions: Steve Winwood von Traffic und Jack Casady von Jefferson Airplane spielten bei „“Voodoo Child“ mit, Buddy Miles, Larry Faucette und Freddy Smith würzten „„Rainy Day, Dream Away“, Dave Mason beteiligte sich an „“All Along The Watchtower“, AI Kooper an „„Long Hot Summer Night“. Den Bassisten Noel Redding trieben die Unruhe, die ständig wechselnden Besetzungen zur Weißglut, Schlagzeuger Mitch Mitchell sah es eher gelassen.



Jimi-Hendrix-Gitarre für umgerechnet 180.000 Euro versteigert

Die japanische Sunburst-Gitarre von Jimi Hendrix wurde auf einer britischen Auktion in Höhe von fast 180.000 Euro versteigert. Der 1970 verstorbene Musiker soll das Instrument Anfang der 1960er Jahre benutzt haben, nachdem er aus der Armee vorzeitig entlassen worden war. Laut des britischen Auktionshauses „GWS Auctions“ soll Hendrix auf der Gitarre gespielt haben, nachdem er den US-Stützpunkt in Fort Campbell verließ, um nach Clarksville im US-Bundesstaat Tennessee weiter zu ziehen. Dort spielte er auf der Musiktheater-Reihe „Chitlin’ Circuit,“ die schwarzen Musikerinnen und Musikern im Süden und Osten der USA sichere Auftritte gewährte. Jimi Hendrix soll die Gitarre auch ab 1964…
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