Robin Williams und Stephen King: Kubricks „Shining“-Gerücht
: Robin Williams, Stephen King und Stanley Kubrick: Wir ordnen das „Shining“-Gerücht ein, zeigen Aussagen und die zeitliche Einordnung
Robin Williams bleibt unvergessen als einer der größten Charakterdarsteller seiner Generation. Der im August 2014 im Alter von nur 63 Jahren verstorbene Oscar-Preisträger konnte smühelos zwischen überschäumender Komik und tiefem, oft melancholischem Ernst wechseln.
Filme wie „Mrs. Doubtfire“, „Jumanji“, „Hook“ oder „The Birdcage“ machten ihn zum Blockbuster-Star, während Werke wie „Dead Poets Society“ oder „Good Will Hunting“ seine Aura als sensibler, dramatisch brillanter Mime festigten.
Doch zu Beginn seiner Karriere hätte Williams’ Vita eine überraschend düstere Wendung nehmen können. Wie das US-Magazin „Vulture“ berichtet, soll Regie-Ikone Stanley Kubrick den damals noch wenig bekannten Schauspieler für eine der legendärsten Gruselrollen der Filmgeschichte in Betracht gezogen haben: Jack Torrance in „The Shining“.
Das Kubrick-Gerücht: Robin Williams als Jack Torrance?
In Kubricks Adaption von Stephen Kings gleichnamigem Roman verliert der Schriftsteller Jack Torrance allmählich den Verstand, während er mit seiner Familie in einem abgelegenen Berghotel eingeschneit ist – ein schleichender Absturz in Alkohol, Isolation und Wahnsinn. Die Rolle ging schließlich an Jack Nicholson, dessen Darstellung des zerrütteten Familienvaters ikonisch wurde und das Bild der Figur als Axt schwingenden „Mad Man“ prägte.
Laut jüngster Film-History-Archäologie soll Kubrick zunächst erwogen haben, Robin Williams zu besetzen. Ein Gedanke, der rückblickend ebenso faszinierend wie unvorstellbar wirkt. In dem Trivia-Buch „The Amazing Book of Movie Trivia“ heißt es, Kubrick habe die Idee wieder verworfen, weil er Williams für „zu psychotisch“ hielt. Eine kuriose Begründung angesichts des Abgrunds, in den Nicholson später so brillant blickte.
Ob Kubrick tatsächlich je ernsthaft über Williams nachdachte, bleibt jedoch fraglich. Der Kubrick-Biograf Lee Unkrich – selbst Regisseur von „Toy Story 3“ – weist darauf hin, dass die Chronologie gegen diese Theorie spricht. „Stanley las die Druckfahnen von Kings Roman 1977, Nicholson wurde noch im selben Jahr besetzt“, erklärt Unkrich, der für sein Buch „Stanley Kubrick’s The Shining“ die Warner-Archive durchforsten durfte. „Die Dreharbeiten begannen im April 1978.“
Fakten, Mythen und zeitliche Einordnung
Das Sitcom-Format „Mork & Mindy“, mit dem Robin Williams erstmals außerhalb der USA bekannt wurde, startete erst im Herbst desselben Jahres. Kubrick hätte den jungen Comedian zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht auf dem Radar gehabt. Vieles spricht daher dafür, dass diese Episode eher zu den langlebigen Internet-Mythen rund um die großen „Hollywood-Roads-Not-Taken“-Geschichten gehört – charmant, aber wohl mehr „Spökenkiekerei“, wie man an der Küste zu sagen pflegt.
Auch wenn Robin Williams nie in „The Shining“ spielte – und vermutlich auch nie die Chance dazu hatte – bewies er später, dass er das Dunkle und Verstörende ebenso meisterhaft beherrschte wie das Heitere. In Mark Romaneks „One Hour Photo“ von 2002 verkörperte er Sy Parrish, einen stillen, einsamen Fototechniker in einem Supermarkt, der sich obsessiv an das Leben einer Familie klammert, deren Fotos er entwickelte.
Das Dunkle in Robin Williams
Williams’ Darstellung ist zugleich verstörend und tief menschlich: Sein Sy ist beängstigend in seiner Fixierung, aber auch herzzerreißend einsam. Der Schauspieler balanciert zwischen Empathie und Ekel, zwischen Kontrolle und Zusammenbruch. Eine Gratwanderung, die seine schauspielerische Bandbreite vielleicht besser zeigt als jede andere Rolle seiner Karriere.
Im DVD-Audiokommentar zu „One Hour Photo“ reflektierte Williams selbst über diese ungewohnte Rolle: „Ich konnte diesen Charakter ansehen, weil er so anders war – ein ganz bewusster Schritt weg von mir selbst.“ Auf die Frage nach der Bedeutung des offenen Endes wollte er sich jedoch nie festlegen: „Ich kann es euch nicht sagen“, meinte er, „und ich will es auch nicht.“