Alea im Interview: Saltatio Mortis trifft „Assassin’s Creed“
Wie Saltatio Mortis und Visions of Atlantis den „Reckless Sailor“ für „Assassin's Creed Black Flag Resynced“ schufen: Sänger Alea erzählt es exklusiv im Interview.
Es ist ein Gaming-Release, dem viele seit Langem entgegenfiebern. Nein, nicht „GTA VI“ – denn im Gegensatz dazu schafft es Ubisoft, die eigene Timeline einzuhalten, und veröffentlicht am 9. Juli 2026 „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“. Neben spielerischen Neuerungen erwartet Spielern mit dem Release auch jede Menge neue Musik: Die für das Spiel so typischen „Sea Shanties“ erhalten ihre eigene Playlist, und Musikgrößen wie Woodkid wagen sich an Neuinterpretationen der Piratenlieder.
Doch damit sind die musikalischen Kooperationen noch lange nicht abgearbeitet. Sucht man im deutschsprachigen Raum nach Künstlern, die vermutlich auch auf einem gekaperten Schiff gen Süden segeln würden, trifft man direkt auf Saltatio Mortis – genauer gesagt auf Sänger Alea. Nicht nur sind Klangfarbe und Genre der Band prädestiniert für eine „Shanty“-Neuinterpretation, Alea ist auch einer der größten Fans des Spiels. Fast logisch erscheint es daher, dass Saltatio Mortis zusammen mit Visions of Atlantis einen neuen Song zum Spiel veröffentlichen. Vom Cosplay bis zum Gaming-Zimmer: Alea passt in das „Assassin’s-Creed“-Universum wie der Rum in den Rachen von Edward Kenway. Vielleicht war er sogar Edward Kenway in einem früheren Leben? Wir haben mit ihm über die Zusammenarbeit mit Ubisoft und die Besonderheiten des neuen „Assassin’s Creed“ gesprochen – und herausgefunden, warum „Reckless Sailor“ so besonders ist.
Vom Assassinen-Fan zum Kollaborationspartner
Alea, der auf den bürgerlichen Namen Jörg Roth hört, ist nicht nur Sänger von Saltatio Mortis, sondern auch ein derart begeisterter Gamer, dass er sein Gameplay regelmäßig streamt. Begonnen hat seine Leidenschaft mit „Assassin’s Creed 2“ – „und dann kam irgendwann ‚Black Flag’“. Auf die Frage, wie es zu der Kooperation kam, antwortet er:
„Ich hab mich schon immer für Piraten interessiert. Deshalb hab ich gedacht, ich fall aus allen Wolken und rückwärts um, als ich einen Anruf bekommen habe von Ubisoft, ob wir uns vorstellen könnten, zum Release einen Song und ein Video zu machen.“
Da auch seine Band direkt „Feuer und Flamme“ war, konnte man sich trotz engen Zeitplans schnell darauf einigen, das Projekt anzugehen – obwohl Saltatio Mortis gerade mitten in einem ganz anderen Großprojekt steckt:
„Wir sind ja gerade eigentlich in einer ganz anderen Welt unterwegs. Wir machen ja gerade unseren „Staub-und-Schatten“-Zyklus mit Torsten Weitze.“
„Reckless Sailor“
Bleibt die Frage: Wie entsteht so ein Song in Kooperation mit Ubisoft?
Alea: „Uns wurde grundsätzlich am Anfang komplett freie Hand gelassen. Was gewünscht war, war ein Feature. Da war dann ganz schnell klar: Wir haben ’ne befreundete Piratenband direkt bei uns im gleichen Management. Das sind Visions of Atlantis. Irgendwann kam von unserem Gitarristen, vom Till, die Idee: ‘Lasst uns den Drunken Sailor machen.’ Dann haben wir gesagt: Ja, aber nicht normal. Das muss eine Epic Version sein und auch irgendwie ein ordentliches Metal-Brett mit drin haben. Eigentlich ist der „Drunken Sailor“ zwar sehr passend zu Edward Kenway, weil er schon ein leichtes Alkoholproblem hat in dem Spiel. Aber dann hatten wir die Idee: Lass uns den Text umschreiben, wie wenn die Crew der „Jackdaw“ über ihren Captain singt. Deswegen ist es jetzt der Reckless Sailor geworden.“
Die Magie der Sea Shanties
Warum sind die „Sea Shanties“ so besonders?
„Die ‚Sea Shanties‘ haben in ‚Assassin’s Creed Black Flag‘ etwas geschafft, was ganz viele Spiele immer versuchen hinzubekommen: Dass du dich voll und ganz in diese Welt fallen lässt. Und diesen Freiheitstraum, den man ja mit dem Piraten an sich verbindet, spürbar macht. Dann segelt man in die Karibik mit einem Dreimaster und denkt sich: Das ist einfach traumhaft. Und ich glaube, das ist die Magie hinter den ‚Shanties‘.“
Cosplay und Musikvideo
Im Video zum Song fällt Aleas ganz besonderes Cosplay auf. Überhaupt wirkt das Musikvideo wie direkt aus dem Spiel gezogen – was steckt dahinter?
„Wir haben ja in unserem Musikvideo alles nachgestellt, was man in ‚Assassin’s Creed‘ so tut. Kämpfe mit zwei Säbeln, natürlich mit echten Säbeln, mit echten Waffen. Wir haben Sprünge drin, wir haben das Public Hiding drin. Du brauchst ein Kostüm, das erstmal wie eine zweite Haut sitzt und zweitens all das mitmacht, ohne auseinanderzufallen. Da war ganz klar Echtleder – und dann halt auch Stoffe, die in der Zeit benutzt wurden, von Segeltuch, Leinen bis zu allem Möglichen.“
Trägst du das Cosplay auch in deiner Freizeit?
„Ich bin Cosplayer aus Leidenschaft. Wo ich mich jetzt drauf freue, mit dem Kostüm aufzulaufen, ist auf jeden Fall die Release-Party am 9.7. in Köln von Ubisoft. Da hab ich dann auch noch Freunde mit dabei, die als Rotröcke kommen. Und dann natürlich die Gamescom. Es ist mir die absolute Ehre, hier jetzt der offizielle Cosplayer von Edward Kenway zu sein. Hätte ich das 2013 gesagt bekommen, hätte ich gesagt: Glaube ich nicht.“
Ein besonderes Spiel
Was ist besonders an „Resynced“?
„Ich war erstaunt, wie gut es damals schon aussah. Umso krasser fand ich es dann, die neue Version zu spielen. Die grafische Detailtiefe, die noch belebteren Straßen in den Städten, die Vegetation und das Wichtigste bei einem Spiel, das in der Karibik spielt: das Wasser. Edward Kenway hat sich immer gespielt wie ein Tank unter den Assassinen. Er war eben nicht der Saubermann, der aus einem höheren Grund seinen Weg geht, sondern er ist einfach ein junger Kerl, der in die Karibik geht, um sein Glück zu finden. Es lohnt sich einfach absolut für jeden, der piratenaffin ist, der dieses Freiheitsgefühl gerne mal wieder erleben will. Und dass es dann auch noch unfassbar gut aussieht, ist das i-Tüpfelchen obendrauf.“
Kenway und Alea
Kannst du dich mit Kenway identifizieren?
„Das hat so viele Parallelen zu dem, was wir damals gemacht haben, als wir vor 26 Jahren Dudelsäcke und Trommeln genommen haben und auf die Straßen gerannt sind, wo uns alle gesagt haben: ‘Mach das nicht, das wird niemals erfolgreich.’ Es ging uns nicht um Erfolg, es ging uns um das Freiheitsgefühl. Jeder Musiker hat, wie wir, irgendwann das sichere Zuhause und den sicheren Job hinter sich gelassen für einen Traum. Und das Erstaunliche ist: Wenn man an einen Traum wirklich glaubt und bereit ist, unfassbar viel zu geben, dann bekommt man auch unfassbar viel zurück. Mein Vater, der mir damals gesagt hat: ‘Hör auf zu spinnen, das wird nie was’, hat zum Glück schon vor zehn Jahren gesagt: Ich hatte Unrecht. Ich hatte nicht verstanden, wie sehr du dafür brennst. Edward Kenway brennt für seinen Traum, und das ist etwas, was in der heutigen Zeit ganz wichtig ist. Brennt für eure Träume. Sie werden vielleicht nicht genauso wahr, wie ihr es euch vorstellt, aber es wird sich was verändern. Und Veränderung ist schon ein richtig geiler Anfang.“
Gemeinschaft als Freiheitsgefühl
Zum Schluss des Interviews beweist Alea noch einmal, wie viel ihm das Spiel bedeutet – und lässt einen das Gaming-Erlebnis mit neuen Augen betrachten:
„Wir erleben in ‚Assassin’s Creed Black Flag‘, wie Edward Kenway mit seinen Freunden eine Community formt, die freiheitsliebend ist, in der jeder willkommen ist. Genauso sind die Communitys, die Bands bilden. Es ist Platz für jeden, und das erschafft eine Band, und das erschaffen auch Computerspiele. Die meisten Leute gehen allein durch die Welt, weil man das Gefühl hat, man muss diesen ganzen Wahnsinn allein tragen. Aber macht die Augen auf, schaut in die Communitys, in denen ihr seid, und ihr findet dort Menschen, die genauso denken. Wer gleich fühlt, kann gleiche Wege gehen.“
Saltatio Mortis auf Tour
Wer Alea zusammen mit seiner Band Saltatio Mortis live erleben will, kann das auf der aktuellen Burgentour „Staub & Schatten“ tun. Die nächsten Stops:
- 11.07. Würzburg-Rottendorf, Gut Wöllried
- 22.07. Regensburg, Piazzafestival
- 24.07. Kempten, bigBOX ALLGÄU Open Air
- 14.08. Thale, Harzer Bergtheater
- 15.08. Schwerin, Schweriner Schloss
- 20.08. Stuttgart, BÜRGER Freilichtbühne Killesberg
- 21.08. Creuzburg, Burg Creuzburg
- 04.09. Oranienburg, Schloss Oranienburg.