Schauspielerin klagt gegen James Cameron und Disney: Ihr Gesicht soll als Vorlage für „Avatar“-Figur gedient haben

„Deine Schönheit war meine frühe Inspiration für Neytiri“, soll Regisseur James Cameron der indigenen Schauspielerin und Aktivistin Q'orianka Kilcher geschrieben haben. „Schade, dass du gerade einen anderen Film drehtest. Nächstes Mal.“

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Eine Schauspielerin wirft James Cameron und Disney vor, ihr Aussehen ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung für eine „Avatar“-Figur verwendet zu haben.

Die indigene Schauspielerin und Aktivistin Q’orianka Kilcher, die Pocahontas in Terrence Malicks „The New World“ spielte – damals gerade einmal 14 Jahre alt –, reichte am Dienstag Klage in Kalifornien ein. Die Klageschrift behauptet, Cameron habe Kilchers Gesichtszüge aus einem veröffentlichten Foto der „Los Angeles Times“ extrahiert und nachgebildet, um daraus die Figur Neytiri zu entwickeln, die in allen drei „Avatar“-Filmen von Zoe Saldaña verkörpert wird.

Die Klageschrift, die ROLLING STONE vorliegt, lautet: „Dieser Fall legt offen, wie einer der mächtigsten Filmemacher Hollywoods die biometrische Identität und das kulturelle Erbe eines jungen indigenen Mädchens ausgebeutet hat, um eine rekordverdächtige Filmfranchise zu erschaffen – ohne ihr dafür Anerkennung oder Vergütung zu gewähren – durch eine Reihe gezielter, nicht-expressiver kommerzieller Handlungen.“

Milliardenerfolg auf fremden Zügen

Weiter heißt es: „Camerons erster Film der Reihe spielte weltweit fast 3 Milliarden Dollar ein und wurde zum erfolgreichsten Film aller Zeiten – doch er basierte zu einem wesentlichen Teil auf der missbräuchlichen Verwendung der biometrischen Gesichtszüge einer Minderjährigen als unbezahltes kommerzielles Ausgangsmaterial.“

Laut Klageschrift lernte Kilcher Cameron kurz nach dem Erscheinen des ersten „Avatar“ im Jahr 2009 kennen; er lud sie ein, sein Büro zu besuchen. Cameron war bei ihrem Besuch nicht anwesend, doch ihr wurde angeblich eine Originalskizze von Neytiri gezeigt. „Deine Schönheit war meine frühe Inspiration für Neytiri“, schrieb er ihr demnach. „Schade, dass du gerade einen anderen Film drehtest. Nächstes Mal.“

Kilcher erfuhr von der Verwendung ihres Aussehens erst durch soziale Medien, als ein Fernsehinterview mit dem Regisseur online auftauchte. „Es gibt eine junge Schauspielerin namens Q’orianka Kilcher, die Pocahontas in ‚The New World‘ gespielt hat“, sagt er in dem Clip. „Das ist tatsächlich ihr … ihr unteres Gesicht. Sie hatte ein sehr interessantes Gesicht.“

Cameron dreht mit Billie Eilish

Cameron veröffentlichte im vergangenen Jahr „Avatar: Fire and Ash“, den dritten Teil der milliardenschweren Franchise. Derzeit wirbt er für Billie Eilishs „Hit Me Hard and Soft: The Tour (Live in 3D)“, das er gemeinsam mit dem Superstar co-dirigiert hat.

Kilcher, eine peruanische Indigene, sagte der „New York Times“, dass „im Zeitalter der KI unser Aussehen nicht mehr sicher ist. Was mir passiert ist, ist zwar persönlich, aber auch eine deutliche Warnung: Wenn wir jetzt nicht handeln, wird so etwas zur Normalität. Dieser Fall geht um die Zukunft der Identität.“

Angie Martoccio schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil