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Shirley Manson über Patti Smith

Ich war 19 oder so, als ich zum ersten Mal eine Platte von Patti Smith hörte. Das war „Horses“. Ich weiß noch, dass mich der Klang ihrer Stimme faszinierte, dieses Wilde darin. Später gefiel mir vor allem der intellektuelle und politische Gehalt ihrer Texte. Und ich mochte ihr Image, diesen völlig unglamourösen Look mit der Nagelscheren-Frisur.

Sie ist eine Folksängerin, auf dieselbe Weise wie Bob Dylan. Mir gefiel, dass sie auch Gedichte schrieb, malte und fotografierte. Für sie war Musik nicht alles. Und sie wusste, was für eine Kraft in ihrem Image steckte, dass sie richtig sexy war und wie sie das in ihrer Kunst einsetzen konnte. Was Madonna macht, das hat Patti von Anfang an gekonnt. Bloß geht es Madonna immer nur darum, sich zu verkaufen. Bei Patti hatte ich dagegen das Gefühl, dass sie mit ihren Sachen Trost und Freude spenden wollte – mir ganz persönlich.

Bei den ersten Worten von „Revenge“ auf dem Album „Wave“ kriege ich heute noch eine Gänsehaut: „I feel upset/ Let’s do some celebrating.“

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Vor vier oder fünf Jahren spielte ich mit Garbage bei einem Festival in Athens. Patti war auch dabei und gab mir ein Autogramm auf eine Setliste: „Power to the people, Patti Smith.“ Das ist ein Klischee. Aber Patti weiß, dass Klischees funktionieren können. Vor Kurzem unterhielt ich mich mit einem Jungen, der sich aus Prinzip weigert, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Ich kann seinen Standpunkt verstehen, aber ich glaube auch, dass es auf jeden Einzelnen ankommt. Ein einziger Mensch kann entscheidend sein. Wenn Patti „People Have The Power“ singt, bewegt mich das, weil ich weiß, dass ich nicht die Einzige da draußen bin, die so denkt. Es muss Millionen geben, für die sie singt, die so fühlen wie ich.

Wenn ich mir heute die Charts ansehe, welche Frauen die meisten Platten verkaufen und die meiste Presse kriegen, dann wird mir richtig schlecht. Weil all diese Frauen von männlichen Vorstellungen kontrolliert werden, wie eine Frau sein sollte und was es bedeutet, sich gegen etwas aufzulehnen. Wenn Christina Aguilera ernsthaft als Rebellin betrachtet wird, haben wir ein Riesenproblem. Ich bin nur froh, dass Patti immer noch bereit ist, sich da oben hinzustellen und zu kämpfen. Dann fühle ich mich weniger allein.

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Sophie Hunger und ihre Frauenquote

Sophie Hunger möchte es sich nie zu leicht machen. Die 36-jährige Schweizerin ist privilegiert aufgewachsen, sie hat vielleicht ein paar mehr Mittel zur Verfügung als ein armer Straßenmusiker, aber sie nutzt ihre günstigen Voraussetzungen auch auf bestmögliche Weise: In ihrer Musik ist sie furchtlos, sie komponiert seltsam süchtig machende Lieder, die sie mal auf Deutsch, mal auf Französisch oder Schwyzerdütsch singt. Für ihr jüngstes Album, „Molecules“, hat sie sich aufs Englische reduziert, gefällig ist ihr düsterbunter Sound dennoch nie. Das würde auch nicht zu Hunger passen. Sie lässt sich nichts vorschreiben, sondern macht sich die Welt so, wie sie ihr…
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