Making of



So entstand Nirvanas Meisterwerk „Nevermind“


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„Kurt schickte eine Cassette mit Demos, die sie mit einem Ghettoblaster aufgenommen hatten“, erinnert sich Produzent Butch Vig. „Es klang grässlich. Man konnte in dem Brei kaum etwas ausmachen. Aber immerhin hörte ich den Anfang von ,Teen Spirit‘ und wusste, dass es ein Knüller war.“

Vig und Mixer Andy Wallace sorgten dafür, dass die Songs nicht wieder in einer billigen Produktion untergingen, wie das bei ihrem Debüt „Bleach“ der Fall gewesen war. Trotzdem brauchten Vig, Kurt Cobain, Bassist Krist Novoselic und Drummer Dave Grohl nicht einmal einen Monat, um das Album im Sound City Studio in Van Nuys aufzunehmen und komplett zu mixen.

Nirvana lebten bei „Nevermind“-Aufnahmen im Chaos

„Sie lebten in einem Apartment-Komplex, und es war das nackte Chaos“, so Vig. „Auf den Wänden waren Graffiti, die Sofas lagen umgekippt auf dem Fußboden. Sie fuhren regelmäßig zum Venice Beach und machten jede Nacht bis sechs Uhr durch. Ich war immer um Zwölf im Studio, während sie dann gegen Vier eintrudelten.“

Die Aufnahmen verliefen laut Vig problemlos – bis sie zu dem vergleichsweise dezenten „Something In The Way“ kamen. „So sehr sie auch mühten, dezent und zurückhaltend zu spielen – es kam immer zu aggressiv rüber. Kurt kam in den Kontrollraum und sagte, es müsse genau so klingen – er flüsterte nur und spielte so leise, dass man die Gitarre kaum hören konnte. Es war absolut hypnotisch. Ich holte schnell ein paar Mikros – und dann bauten wir den ganzen Song um diese Aufnahme auf.“

Kurt Cobain wollte seine Stimme nicht zu laut hören

Das Abmischen des Albums war ebenfalls eine schwere Geburt. „Kurt wollte seine Stimme im Mix geradezu verstecken“, erinnert sich Vig. „Ich bestürmte ihn: ,Das kannst du nicht machen! Dein Gesang muss genauso intensiv rüberkommen wie Schlagzeug, Bass und Gitarre.“

Vig setzte sich durch, doch die Band entschloss sich, einen externen Mixer zu Rate zu ziehen. Wallace gab „Nevermind“ einen klanglichen Glanz – was Cobain im Nachhinein allerdings die Wände hochgehen ließ. Als er mit seinem Biografen Michael Azerrad über „Teen Spirit“ sprach, sagte er: „Es ist die perfekte Kombination aus Sauberkeit und niedlicher, lauwarmer Produktion. Für meinen Geschmack ist sie einfach zu lahmarschig.“