Stephen Colbert erklärt, warum „The Late Show“ politischer wurde: „Das ist der Teil, den das Publikum sehen will“
Der Moderator sprach außerdem über die Entscheidung von CBS, die Show abzusetzen
Stephen Colbert sagte, er habe bei „The Late Show“ bewusst auf das Tagesgeschehen gesetzt – obwohl er nach dem Ende von „The Colbert Report“ eigentlich weniger politisch werden wollte. Im Gespräch mit der „New York Times“ erklärte Colbert diese Woche, dass CBS ihn nach seiner Übernahme von David Letterman im Jahr 2015 ausdrücklich davon abgeraten habe, „aktuell zu sein“.
„Es war mein Instinkt, weniger auf aktuelle Themen einzugehen, weil ich mich nicht mit dem auseinandersetzen wollte, was ich als einen zunehmend streitlustigen öffentlichen Diskurs wahrnahm“, sagte Colbert. „Und ich dachte: Gibt es nicht andere Wege, mit dem Publikum Spaß zu haben?“
Nach ein paar Monaten begann er jedoch, mehr politische Witze einzubauen. „Ich war wie Clint Eastwood in ‚Unforgiven‘ – oder war es ein anderer Film? Er hat seine Waffen vergraben“, erinnerte sich Colbert. „Und ich dachte: Ich hab diese verdammten Waffen vergraben. Ich sprach mit Paul Dinello – er ist einer meiner ältesten Freunde und einer meiner Produzenten hier – und er sagte: ‚Du hast Spaß, und die Leute lieben es, das zu sehen.‘ Und ich sagte: ‚Aber das bedeutet, ich muss die Waffen wieder ausgraben.‘ Und er meinte: ‚Kumpel, das ist der Teil, den das Publikum sehen will.’“
Colbert über Autoritarismus
Die politische Haltung hat ihm natürlich den Unmut der Trump-Administration eingebracht. Colbert sagte, er glaube, das liege daran, dass „Autoritäre niemanden mögen, der ihnen nicht die gebührende Würde entgegenbringt“.
„Komiker sind von Natur aus antiautoritär“, stellte der Moderator fest. „Und Autoritäre werden es nie mögen, wenn jemand über sie lacht. So viele Journalisten haben mir oder Jon Stewart oder einem der anderen, die das machen, gesagt: ‚Gott, ich wünschte, ich könnte on air sagen, was Sie sagen.‘ Und wir können es. Ich glaube, das bringt sie auf die Palme. Es könnte sie stören, dass wir wirklich nicht in ihrer Welt der Fürstentümer und Mächte leben.“
Er fügte hinzu: „Ich habe kein Problem damit, dass Trump Republikaner ist. Mein Problem ist, dass Trump ein kompletter Narzisst ist, der nur für seine eigenen Interessen arbeitet und offenbar nicht die geringste Sorge hat, ob die ganze Welt in Flammen aufgeht. Das ist keine parteiische Haltung.“
CBS setzt die Show ab
Im vergangenen Jahr gab CBS bekannt, „The Late Show“ abzusetzen, und bezeichnete die Entscheidung als „finanziell“ begründet. Die letzte Folge wird am 21. Mai ausgestrahlt. Es wird spekuliert, dass CBS‘ Mutterkonzern Paramount den Stecker zog, um sich bei Donald Trump und der FCC einzuschmeicheln und damit eine Fusion zwischen Paramount und Skydance zu ermöglichen.
„Ich bestreite ihre Begründung nicht“, sagte Colbert über CBS. „Ich mache Witze darüber. Aber ich verstehe auch vollkommen, warum Menschen sagen würden: erstens, das ergibt für mich keinen Sinn, und zweitens, das riecht verdächtig – denn das Netzwerk hat es sich selbst eingebrockt, indem es vor der Trump-Administration zu Kreuze kroch wegen einer 20-Milliarden-Dollar-Klage, die für 16 Millionen Dollar beigelegt wurde und völlig haltlos war.“
Er ergänzte: „Es ist möglich, dass zwei Dinge gleichzeitig wahr sind. Das Broadcast-Fernsehen steckt in der Krise. Sie können nicht mehr monetarisieren – wegen YouTube, wegen der Konkurrenz durch Streaming. Sie haben die Bücher, und ich habe keinerlei Interesse daran, mit ihnen darüber zu streiten, was sie als ihr Geschäftsmodell bezeichnen und warum es für sie nicht mehr funktioniert. Aber weniger als zwei Jahre, bevor sie anriefen und sagten, es ist vorbei, wollten sie mich unbedingt langfristig binden. Also hat sich irgendetwas verändert.“