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Die Streifenpolizei - der Podcast für Film & Serien vom Rolling Stone & Musikexpress
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Steven Spielberg: Happy Birthday, Wunderkind!

Vergnügungspark und Konzentrationslager. Das waren die beiden Welten, miteinander unvereinbar, an die Steven Spielberg sich innerhalb eines Jahres heranwagte. Und vielleicht war dies die größte seiner vielen großen Leistungen: Dass es dem Regisseur gelang, zwei Meilensteine zu drehen, die nichts miteinander gemein haben, nichts miteinander gemein haben dürfen – und dass Spielberg an der Verantwortung, beiden eine Berechtigung zu geben, nicht selbst zerbrach.

Mit dem Dino-Spektakel „Jurassic Park“ würde er 1993 den – mal wieder! – erfolgreichsten Film aller Zeiten erschaffen, natürlich ein Trick-Spektakel. „Schindlers Liste“ widmete sich einem realen Ereignis, einem der schrecklichsten der Geschichte: dem Holocaust.

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Oskar Schindler (Liam Neeson) und Itzhak Stern (Ben Kingsley) in „Schindler’s Liste“

Damals drehte Spielberg am Morgen in Polen in einem Nachbau des Konzentrationslagers von Auschwitz, er ließ per Anweisungen die Selektionen an der Rampe nachstellen. Wie Spielberg selbst mit Sorge anmerkte, musste er nun als Regisseur, wie einst die KZ-Aufseher, Direktive erteilen: Welcher Mensch, bei ihm waren es Statisten, in diese Schlange käme, welcher in jene.

Kooperation

B-Filme als A-Filme

Am Nachmittag ging es in den Schneideraum – dort arbeitete Spielberg fürs Popcorn-Kino, stellte im „Jurassic Park“ Actionszenen mit dem Tyrannosaurus Rex zusammen. „Es war die belastendste Phase meines Lebens“, sagte der Filmemacher, dessen Vorfahren ungarische Juden gewesen sind. Am Ende wurde auch „Schindler’s Liste“ zum Erfolg, bekam sieben Oscars, darunter für den „Besten Film“ und Spielberg erstmals als „Bester Regisseur“.

Er war nun, mit 46 Jahren, nicht mehr nur das „Wunderkind“ des Blockbuster-Kinos. Spielberg, der sagt, er habe sich als Kind für sein „Anderssein als Jude“ geschämt, wurde als politischer Filmemacher wahrgenommen.

Fast zwei Jahrzehnte lang (bis er einfach zu alt für den Titel wurde) galt Steven Spielberg, der am Sonntag (18. Dezember 2016) 70. Geburtstag feiert, als das „Wunderkind“ von Hollywood. Man sagt, er „habe nie verlernt aus der Perspektive eines Kindes die Welt zu sehen“, das gibt’s mal als Lob („Indiana Jones“) mal als Tadel („Hook“). Definitiv war es ihm nach Stanley Kubrick und gemeinsam mit George „Star Wars“ Lucas als Filmemacher gelungen, die Genres Science-Fiction, Abenteuer und Horror so teuer auszustatten, dass sie nicht nur unterhaltsam, sondern auch glaubhaft erschienen. Er ließ den mechanischen „weißen Hai“ bauen, ein Ufo auf dem Devil’s Tower landen („Unheimliche Begegnung der Dritten Art“) und einen hässlichen Außerirdischen derart lieb auftreten, dass er zum Wunsch-Freund aller Kinder wurde („E.T. – Der Außerirdische“).

Martha's Vineyard, MA - 1975: Director Steven Spielberg and camera crew on the set of the Universal Pictures production of 'Jaws' in 1975 in Martha's Vineyard, Massachusetts. (Photo by Michael Ochs Archives/Getty Images)
Martha’s Vineyard, 1975: Spielberg und Crew gehen für den „Weißen Hai“ ins Wasser (Photo by Michael Ochs Archives/Getty Images)
Steven Spielberg on set of the film 'Jaws', 1975. (Photo by Universal/Getty Images)
(Universal/Getty Images)
Spielberg und sein "Jaws"-Ensemble: Robert Shaw, Roy Scheider und Richard Dreyfuss
Spielberg und sein „Jaws“-Ensemble: Robert Shaw, Roy Scheider und Richard Dreyfuss

Zwischen Spielbergs Erweckungserlebnis als Kind und dem „Weißen Hai“ lagen lediglich 17 Jahre. Als Junge sollte er Dickens’ „Eine Geschichte aus zwei Städten“ lesen, das fand der kleine Steve derart langweilig, dass er an den Eselsohren des Buchs Strichmännchen zeichnete. Es wurde sein Daumenkino, fasziniert stellt er fest: „Erstmals erschuf ich ein bewegendes Bild.“ 1969 schon, Spielberg war 23, gab er als Regisseur in der Serie „Night Gallery“ Anweisungen an den Hollywood-Star Joan Crawford, 1971 drehte er – die Pilotfolgen nicht mitgerechnet – die allererste der „Colombo“-Episoden. Sein Durchbruch kam im selben Jahr mit dem TV-Film „Duel“, der heute noch mit seinen besten Filmen mithalten kann – und den „Weißen Hai“ vorwegnahm. In der Richard-Matheson-Adaption terrorisiert ein Trucker einen Autofahrer (Dennis Weaver), der Verfolger bleibt namenlos, gesichtslos, ruhelos, grundlos. Ein Monster.

Blockbuster-König

Mit den Dreharbeiten zum „Weißen Hai“ – das „Bruce“ getaufte mechanische Modell streikte, die See war zum Filmen nicht wirklich geeignet, das Budget hat sich schnell mehr als verdoppelt –, hatte Spielberg Eier gezeigt, seine, wie man so sagt, Vision verwirklichen können, gegen alle Widerstände. „Jaws“ gilt auch als Geburtsstunde des Blockbuster-Kinos. Filme, die derart gefragt sind, dass die Kinoschlange um ganze Häuser-„Blocks“ herumreicht. Es würde das erste von drei Malen sein, in denen Spielberg den erfolgreichsten Film aller Zeiten dreht.

Spielbergs nächstes Projekt „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ (1977), freundlich gesinnte Außerirdische nehmen Kontakt zur Erde auf, hat mehr mit dem sagenhaften „New Hollywood“ der Siebziger zu tun, als es das Ufo-Spektakel voller Lichterketten und Alien-Melodien auf den ersten Blick vermittelt. Spielbergs alter Ego Roy Neary (Richard Dreyfuss) steigt am Ende in die fliegende Untertasse ein und lässt, für ein ungewisses Leben im All, freudestrahlend seine Familie zurück.

Dies war die kompromisslose Entscheidung eines Alien-Süchtigen, es gab kein wirkliches Happy End; beinahe das realistisch-harte Kino, wie es Spielbergs Freunde Martin Scorsese, Brian de Palma, John Milius und anfangs auch George Lucas im Sinn hatten. Für die Filmstudenten war Kommilitone Steven immer der urige, leicht verklemmt auftretende Junge, der auch am Strand noch Socken trug.

Die „Unheimliche Begegnung …“ war angelehnt am New-Hollywood-Versprechen, das Spielberg mit seinem eher konfusen Road Movie „Sugarland Express“ (1974) nicht geben konnte. Gleichzeitig etablierte Spielberg im Außerirdischen-Spektakel auch seine bis heute wohl bekannteste Kamera-Einstellung: Menschen, die voller Erstaunen, mit offenen Mündern, auf etwas außerhalb des Bildschirms starren: sei es hier auf fliegende Untertassen, in späteren Werken dann die Bundeslade, Dinosaurier oder ein Riesenrad.

Schuld am Aus von New Hollywood?

Heute werden Spielberg und Lucas fast schon dafür gescholten, mit ihrem „Popcorn-Kino“ das „seriöse“ Kino, wie von Altman, Bogdanovich und Co., terminiert zu haben. Und Spielberg und Lucas, es stimmt ja, gaben den Major Studios die Anleitung zur Hand, mit welchen Stoffen sich am meisten Geld verdienen lässt. Aber es ist auch ihr Verdienst, dass mit Fantasy und Science-Fiction zwei vormalige B-Genres, kindliche Stoffe, überhaupt die Leinwand eroberten – Kubricks „2001: A Space Odyssey“ war 1968 ja kein Hit.

Spielberg und George Lucas 1978
Spielberg und George Lucas 1978

Spielberg war 30 Jahre alt und hatte bereits zwei der drei erfolgreichsten Filme (auf Platz eins rangierte „Star Wars“ von Lucas) gedreht. Was Spielberg noch fehlte, war Anerkennung von Vorbildern und Kollegen. Sein Idol Francois Truffaut bedachte er bereits mit einer Hauptrolle in der „Unheimlichen Begegnung“, aber das noch größere Idol Hitchcock ließ den jungen Regisseur immer wieder abblitzen, ihn einst gar – wohl, weil er nicht wusste, wer da schüchtern rumlungerte – von seinem „Familiengrab“-Set 1976 entfernen.

„War das etwa der Junge mit dem Fisch-Film?“, fragte Hitchcock. Eine freundlichere Version besagt, dass die Regie-Legende den jungen Spielberg nicht begegnen wollte, weil er sich selbst als „Hure“ fühlte – Hitchcock: „Ich habe gegen Geld die Sprecherrolle in der Rundtour der Universal Studios angenommen, wo der weiße Hai vorgeführt wird. Ich lieferte die Stimme zu seinem Hai.“ Und Spielberg lernte: Wer ganz jung zum Star wird, braucht umso länger um die Wunderkind-Rolle abzulegen. Er war in den Siebzigern oft sauer. Das fällt meist unter den Tisch, denn das kollektive Gedächtnis wird eher von Fotos eines gütig dreinblickenden Mannes mit Vollbart geprägt.

Der neue James Bond

Viele von Spielbergs heutigen, als Blockbuster konzipierten Werken gehen baden. Von 1975 aber bis in die Neunziger konnte er es sich sogar erlauben, als Regisseur etliche Selbstläufer abzusagen. Er verzichtete auf die Leitung zweier „Krieg der Sterne“-Filme („Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und „The Phantom Menace“) als auch auf den ersten „Harry Potter“. Wenn vielversprechende Stoffe in der so genannten „Development Hell“ liegen, deren Entwicklung also nicht vorankommt, lässt Spielberg sich cool Zeit. „I could pull a ‚Robocalypse’ anytime“, urteilte er vor zwei Jahren, als die Umsetzung des Endzeit-Romans, eines der derzeit begehrtesten Projekte, nicht vorankam.

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„Jäger des verlorenen Schatzes“: Indiana Jones (Harrison Ford)

Nur einen Film bekam er 1980 nicht. „Wir engagieren nur britische und erfahrene Regisseure“, teilte die Broccoli-Familie ihm mit. Weil Spielberg keinen James Bond drehen durfte, entwarfen George Lucas und er einen eigenen Abenteurer.  Die Figur des Indiana Jones, ab 1981 gespielt von Harrison Ford, wurde beinahe so berühmt wie der britische Geheimagent 007, leidenschaftlicher geliebt von Menschen auf aller Welt wird er sowieso.

„Jäger des verlorenen Schatzes“, über den gegen die Nazis kämpfenden Archäologen Indy, war Spielbergs Annäherung an den Schrecken des Dritten Reichs, mehr als ein Jahrzehnt vor „Schindler’s Liste“, aber noch mit dem Mitteln der Groteske und wie ein Western Serial der 1930er-Jahre erzählt. Bis Mitte der Achtziger stapelten sich dann derart viele tolle Drehbücher auf Spielbergs Schreibtisch, dass er fast alle nicht als Regisseur, sondern nur noch als Produzent umsetzen konnte: „Poltergeist“, „Gremlins“, „Die Goonies“ und natürlich „Zurück in die Zukunft“.

Dann kam der Außerirdische

Den Höhepunkt seiner Märchen-Phase erreichte Spielberg nur weniger als ein Jahr nach Indiana Jones, er konnte einfach nichts mehr falsch machen, es kam „E.T . – Der Außerirdische“. Das war viel mehr als ein Sci-Fi-Film. In der Freundschaft zwischen dem vernachlässigten Elliott und E.T. erzählte Spielberg auch seine eigene Familiengeschichte als Scheidungskind. Der Junge Elliot wächst ohne Vater auf, und der Außerirdische wurde von seinen Eltern – unfreiwillig – auf der Erde zurückgelassen. In „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989) und „Catch Me If You Can“ (2002) griff Spielberg das Motiv der zerrütteten Einheit wieder auf; es geht um Eltern, meist Väter, die ihre Kinder nie verstanden haben.

1982: Steven Spielberg mit Henry Thomas – E.T. kommt
1982: Steven Spielberg mit Henry Thomas – E.T. kommt

Die zweite, wichtige Karriere-Abschnitt im Leben Spielbergs begann 1985, kurz vor seinem 40. Geburtstag. Da war er bereit, sich vom phantastischen Kino abzuwenden. Mit der Verfilmung von Alice Walkers Roman „Die Farbe Lila“ griff er jedoch daneben. Nicht, weil er – über so etwas stritten Leute damals, streiten Leute heute – als weißer Regisseur ungeeignet wäre, das Leben einer jungen Schwarzen in den Südstaaten des frühen 20. Jahrhunderts zu begreifen. Sondern weil er Rührseligkeit demonstrierte, wo Nüchternheit angebracht gewesen wäre. Es gibt Spielberg-Filme, in denen die Spielberg-Rührseligkeit alles verdirbt: Das war in den Ballard-Erinnerungen „Das Reich der Sonne“ (1987) so, im Sklaven-Drama „Amistad“ (1997) mit seinen Anthony-Hopkins-Gerichtsszenen, oder in „Lincoln“ (2012), wo das Orchester anschwillt, wenn sich der Präsident zur Rede erhebt.

„Die Farbe Lila“, und hier wollte die Academy dem ambitionierten Spielberg sicher einen Denkzettel verpassen, fuhr elf Oscar-Nominierungen ein, aber keine für die Regie – und gewann auch nichts. Eine der kontroversesten Niederlagen in der Oscar-Geschichte. Heute würde das Netz mit Shitstorms Trost spenden, aber damals waren Spielberg und ein paar Demonstranten am Roten Teppich mit ihrer Wut auf sich allein gestellt. Als die Academy dem Regisseur 1987 den Trostpreis des „Irving G. Thalberg“-Award verlieh, Spielberg hielt dann keine Statuette in den Händen, sondern einen unförmigen Bronzekopf, muss er befürchtet haben, dass er niemals einen Oscar gewinnen würde.

Whoopi Goldberg mit Spielberg am Set von "Die Farbe Lila"
Whoopi Goldberg mit Spielberg am Set von „Die Farbe Lila“

Der Triumph von „Schindler’s Liste“ sechs Jahre später lag im Feingefühl, in der Größe, in der Härte, in der Brutalität, in der Behutsamkeit und in der Intimität, in allem, was nötig war, um sich der Shoah zu nähern. Spielberg traf in jedem Moment den richtigen Ton, nichts erschien suggestiv. Und die wenigen Szenen, die lustig sein sollten, waren sogar lustig. Als er 1998 für den Film vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog das Große Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, sprach Spielberg von der wichtigsten Auszeichnung, die er je bekommen habe. Die 1994 von ihm gegründete „Shoa Foundation“ sammelt bis heute Zeitzeugenberichte von Überlebenden des Holocaust.

Das ist der Krieg

Ab Mitte der Neunziger drehte Spielberg weniger häufig besondere Filme, aber für einige Spitzen reichte es natürlich noch. Die letzte Euphorie, zumindest die letzte große Einigkeit unter Kritikern, entfachte „Der Soldat James Ryan“ (1998). Die Fotografie des Kameramanns Janusz Kaminski sowie die Sound- und Spezialeffekte boten eine Darstellung von Krieg, die in ihrer Intensität bis heute Maßstab fürs Action-Kino ist. Spielberg sah sich von weinenden Zweiter-Weltkriegs-Veteranen umarmt und erhielt Ehren-Medaillen vom Militär.

Von der Lautstärke verdrängt wurde dabei der stets gute Tom Hanks, der in seiner Darstellung des Captain Miller demonstrierte, dass die meisten Soldaten im Krieg Menschen mit normalen Berufen waren, wie eben Lehrer.

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Tom Hanks, Matt Damon und Edward Burns in „Der Soldat James Ryan“

Mit „A.I. – Artificial Intelligence“ kehrte Spielberg 2001 zum Fantasy-Kino zurück; er adaptierte eine Idee seines Freundes Stanley Kubrick, der bis zum seinem Tod als Konzepter und Regisseur so langsam wie eine Schildkröte geworden war und den Stoff nicht mehr selbst auf die Leinwand bringen konnte. Eine moderne Version des Pinocchio-Märchens: Ein Roboterjunge, ausgesetzt, will die Fee finden, die ihn zu einem echten Menschen machen kann. Welche Verantwortung tragen die Erschöpfer von künstlicher Intelligenz, und was unterscheidet uns von Maschinen –  die Frage, die Zuschauer nicht erst seit „Blade Runner“ oder jetzt seit der TV-Serie „Westworld“ fasziniert.

Wo bleibt der Audiokommentar

Einer seiner vielleicht wichtigsten Filme, aber einer, der im Spielberg-Kanon weniger Beachtung findet, war „München“ (2005). Anhand des Terror-Attentats an den israelischen Olympioniken 1972 schilderte der Regisseur die Angst, die Hoffnung, der Wahn und die Paranoia; wie Gewalt und Gegengewalt sich bedingen, wie Israelis und Palästinenser immer weitere Rache-Aktionen planen. „Wir leben in einer Zeit der sich überschneidenden Geheimnisse“, sagte der mysteriöse Finanzier „Papa“, der anscheinend aller Seiten unterstützt. Der Film endete mit einer Einstellung der Twin Towers.

Es war Spielbergs Verdienst, eine ausgewogene Haltung zu bewahren – keine Seite zu verdammen, keine zu glorifizieren. Vielleicht, weil er jüdischen Glaubens ist, hagelte es dennoch von zwei Seiten Kritik: Er sei parteiisch, er sei zu wenig parteiisch gewesen. So wie Scorsese hat Spielberg sich nie dazu herabgelassen, für DVD-Editionen seiner Filme einen Audiokommentar einzusprechen. Hier vermissen wir ihn.

Spielberg bei den Dreharbeiten vom "Tempel des Todes", mit seiner zukünftigen Ehefrau Cate Kapshaw
Spielberg bei den Dreharbeiten vom „Tempel des Todes“, mit seiner zukünftigen Ehefrau Cate Kapshaw, 1983

Mit einem Privatvermögen von geschätzt mehr als drei Milliarden Dollar ist Spielberg heute einer der einflussreichsten Menschen von Hollywood, der einflussreichste Regisseur ist er sowieso. Er kann Filme von Kollegen mit nur einem Satz verdammen („Manchmal hasse ich diese Stadt“, war sein Kommentar zu Paul Verhoevens „Showgirls“); er liefert Ideen für den Final Cut anderer Regisseure („Paranormal Activity“); und wenn jemand wie Quentin Tarantino, der prinzipiell das Obskure lobt, wie zu erwarten ausgerechnet Spielbergs Pferdefilm „Gefährten“ aufs Podest hebt, braucht der das nur auszuschweigen. Als Tom Cruise, Mitte der 2000er-Jahre auf dem Gipfel seiner Macht, beim Set von „War Of The Worlds“ munter Scientology-Zelte aufbauen ließ, traf Spielberg seine Entscheidung. Kein Streit, aber Cruise war für ihn damit, nach Ende der Dreharbeiten, gestorben.

Dream for a Living

Es ist heute nicht mehr so, dass die Filmwelt ihren Atem anhält, sobald Steven Spielberg eine neue Produktion ankündigt. Gerade seine jüngsten Fantasy-Werke, etwa die „Tim und Struppi“-Umsetzung (2011) oder „The BFG“ (2015), hinterließen eher Schulterzucken. Es scheint auch, dass Spielberg, je älter er wird, eine umso kindlichere Erzählweise wählt. Beide Filme wirkten wie sich selbst genügend, wenig einladend, der Humor fast infantil: Figuren rutschen aus, stoßen mit den Köpfen zusammen, popeln in der Nase – eben das, was die ganz Kleinen besonders lustig finden.

Das war früher anders. „E.T.“ liebten Kinder, aber der Film nahm seine Wesen ernst. Aber auch hier spricht es für Spielberg, dass er sich gegen alle Ratschläge der Analysten durchsetzte: Wer sollte sich gerade im amerikanischen Markt oder Asien für den belgischen Comic-Reporter Tim, dessen Hund Struppi und den alkoholkranken Kapitän Haddock interessieren? Dort wurde Tim nie honoriert. Nun, die Strips von Hergé waren Spielbergs Lieblingslektüre als Kind gewesen, die Rechte an der Verfilmung besaß er seit den Achtzigerjahren, jetzt war die Motion-Capture-Technik in 3D so weit, also … get out of my way. Und Spielberg ging an der Kasse unter.

Abschreiben sollte man ihn aber natürlich nie. Seine für 2018 angekündigte Verfilmung des Geek-Romans „Ready Player One“ könnte all das beinhalten, was der Mann aus der hohlen Hand heraus zaubern kann: Action, Sci-Fi, Musik im Stil der 80er, Arcade-Spiele, Trivia aus dem wohl beliebtesten Jahrzehnt der Menschheitsgeschichte. Nur hoffentlich wird’s nicht zu nostalgisch.

„I dream for a living“, sagte Steven Spielberg mal. Im Englischen klingt das viel schöner als in der Übersetzung („Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit Träumen“). Weil es auch besagt, dass er sein Leben lang ein Träumer gewesen ist.

Alles Gute zum 71. Geburtstag, Wunderkind oder Ex-Wunderkind!

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25 Jahre „Schindlers Liste“

Der Triumph von „Schindlers Liste“ lag im Feingefühl, in der Größe, dann in der Härte, in der Brutalität, in der Behutsamkeit und in der Intimität, in allem, was nötig war, um sich der Shoah zu nähern. Nichts erschien suggestiv. Und die wenigen Szenen, die tatsächlich Humor zeigen sollten, waren sogar lustig. Als Steven Spielberg 1998 für den Film vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog das Große Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, sprach der Regisseur von der wichtigsten Auszeichnung, die er je bekommen habe. Trailer von „Schindlers Liste“: https://www.youtube.com/watch?v=JoZyyFHELYI 25 Jahre später hat „Schindlers Liste“ dieselbe Wirkung wie 1993. Es ist nicht der Ruhm…
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