Steven Van Zandt: „Ich hätte Springsteen nie verlassen sollen“


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Sein Markenzeichen ist die Bandana (die er trägt, um eine Unfall-bedingte Kopfverletzung zu kaschieren), sein Instrument als Rhythmusgitarrist eine alte Gibson Les Paul. Mit fast 71 hat der Musiker, Schauspieler, Radiomann und Menschenrechts-Aktivist Steven Van Zandt nun seine Memoiren veröffentlicht.

„Unrequited Infatuations“ heißt das lebenspralle Werk des Italo-Amerikaners, der in Winthrop in Massachusetts als Steven Lento das Licht der Welt erblickte. Bereits als Teenager war er in New Jersey ein enger Kumpel von Bruce Springsteen, in den örtlichen Nachtkneipen erblühten die Karriereträume. Seit dem zentralen Album „Born To Run“ von 1975 gehörte Van Zandt zur E Street Band, die er 1984 verließ, um eigene Projekte (wie etwa die Disciples of Soul) nach vorne zu treiben.

„Mein Leben ist gescheppert“

Rückblickend sagt er, nicht ohne Pathos, in einem Interview mit der Zeitung „USA Today“: „Mein Ausstieg war das Ende meines Lebens. Ich war gerade auf dem Weg nach Südafrika, um für mein Apartheid-Projekt zu recherchieren. Parallel dazu erschien mein Soloalbum „Voice of America“. Ohne zu wissen, dass Bruce sein Album „Born in the U.S.A“ nennen würde. Ich hatte die gleiche Flaggen-Optik in rot, weiß und blau verwendet. An diesem Punkt dachte ich, oh, jetzt habe ich es vermasselt. Mein Leben ist gescheppert …“

Nüchtern betrachtet setzte dieser Ausstieg, der später ohnehin von seiner E-Street-Rückkehr gekontert wurde, vielfältige neue Energien frei. Van Zandt spielte bei zig anderen Bands und wurde der charismatische Moderator der Spezialisten-Radiosendung „Little Steven’s Underground Garage”. Über eine kleine Nebenrolle rutschte er zudem in den festen Cast der „Sopranos“, wo er über Jahre hinweg den Mafia-Consigliere Silvio Dante gab. Auch in „Lilyhammer“ zeigte er seine große Millieu-Kompetenz. Als „Unerfüllte Sehnsucht“ sind seine Erinnerungen soeben auch auf deutsch im Hannibal Verlag erschienen.