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Die 100 größten Musiker aller Zeiten: The Rolling Stones – Essay von Steven van Zandt


von

The Rolling Stones

Von Steven Van Zandt

Die Rolling Stones sind mein Leben. Wenn sie nicht gewesen wären, wäre ich tatsächlich ein „Soprano“ geworden. Das erste Mal sah ich sie im Fernsehen. Das war 1964. Die Beatles waren damals perfekt: die Haare, die Harmonien, die Anzüge. Sie verbeugten sich synchron. Ihre Musik war ungeheuer raffiniert. Die ganze Sache war aufregend und fremdartig, aber auch sehr weit weg in ihrer Perfektion. Die Stones waren auch fremdartig und aufregend, aber bei ihnen lautete die Botschaft: „Vielleicht kannst du das auch.“

Little Steven And The Disciples Of Soul live 2018

Die Haare waren schlampiger. Die Harmonien ein bisschen daneben. Und lächeln taten sie überhaupt nicht, glaube ich. Sie gaben sich wie R&B-Traditionalisten: „Wir sind nicht im Showbusiness. Wir machen keine Popmusik.“

Und der Sex in Mick Jaggers Stimme war erwachsen. Das war kein Pop-Sex – Händchen halten, Flaschendrehen spielen. Das war the real thing. Jagger hatte dieses beiläufige Ich-erzähl-euch-mal-was, das R&B-Sänger und Blueser auszeichnet, halb singen, halb sprechen, die Noten nicht ganz halten. Als das Popradio anfing, Jaggers Stimme zu akzeptieren, war das ein Wendepunkt im Rock’n’Roll. Er hat die Tür für alle anderen aufgemacht. Plötzlich wirkten Leute wie Eric Burdon und Van Morrison nicht mehr so merkwürdig. Nicht einmal Bob Dylan.

„Iggy Pop und Jim Morrison haben das dann noch eine Stufe weiter geführt, aber ursprünglich stammt es von Jagger“

Das war etwas ganz Neues: ein Weißer, der sich auf der Bühne wie ein Schwarzer aufführte. Was wir mit schwarzen Performern verbinden, geht zurück auf die Kirche – sich dem Spirit hinzugeben und sich durch ihn bewegen zu lassen, alle gesellschaftlich diktierten Hemmungen und Peinlichkeiten über Bord zu werfen. Es zuzulassen, dass man sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Das war es, was Mick Jagger rüberbrachte. Natürlich waren hier und da ein paar Tanzschritte von James Brown und Tina Turner dabei. Aber James Brown war extrem choreografiert. Diese seltsamen Verrenkungen, die Mick Jagger machte, das war der Spirit. Iggy Pop und Jim Morrison haben das dann noch eine Stufe weiter geführt, aber ursprünglich stammt es von Jagger.

Debra L Rothenberg Getty Images


Rolling Stones: Mick Jagger gibt Update zum neuen Album

Erst im April veröffentlichten die Rolling Stones die Single „Living in a Ghost Town“ und zeigten damit, dass sie trotz der Corona-Pandemie noch immer musikalisch aktiv sind. Eine neue Platte ist bereits am Horizont zu erkennen Mick Jagger verriet am Mittwoch (22. Juli) in der britischen Radiosendung „The Zoe Ball Breakfast Show,“ dass er während des Corona-Lockdowns an neuem Stones-Material gearbeitet habe. „Wir haben eine Reihe von Tracks zur gleichen Zeit aufgenommen, als wir ‚Ghost Town’ gemacht haben.“ Der Song erschien im Frühjahr 2020 und wurde von vielen als Referenz zur Corona-Pandemie interpretiert. Der Song ist aber bereits schon ein…
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