Streaming-Tipp: „Bob Dylan – No Direction Home“ ansehen


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Songwriter, Folksänger, Rockmusiker und seit 2016 Nobelpreisträger: Bob Dylan ist einer der einflussreichsten Musiker der Gegenwart. Der Kultursender ARTE ehrte den Künstler, der als erster Songwriter mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, mit der Ausstrahlung der Dokumentation „No Direction Home“.

Starregisseur Martin Scorsese gelang es, den scheuen Künstler vor die Kamera zu bekommen und ein Porträt des Phänomens Dylan zu entwerfen. Angefangen bei seinen Wurzeln in Minnesota über seine ersten Auftritte in den Bars von Greenwich Village 1961 und seinen kometenhaften Aufstieg bis hin zum Jahr 1966, als er bei seinem ersten Auftritt mit einer elektrischen Gitarre seine Fans verprellte und sich zeitweilig von der Konzertbühne zurückzog.

Joan Baez, Allen Ginsberg und andere prominente Zeitgenossen geben Auskunft über den jungen Sänger. Mit zuvor nie gezeigtem Bildmaterial, exklusiven Interviews und seltenen Konzertausschnitten fängt Scorsese das Faszinosum Bob Dylan ein.

Der Film ist noch für wenige Tage auf concert.arte.tv vollständig als Stream abrufbar.

ROLLING-STONE-Redakteur Arne Willander über „No Direction Home“:

„No Direction Home“ ist ein Film über einen Mann, der keine Vergangenheit hatte und keinen Namen und sich selbst erfand, binnen vier Jahren eine Kulturrevolution anzettelte, Musik und Literatur für immer veränderte und unbeirrt voranschritt. Hier sprechen die Menschen, die Dylan zurückließ und die ihm nicht folgen konnten – Dave Van Ronk, Suze Rotolo und Joan Baez, die er in England nicht mit sich auftreten ließ -, vor allem aber spricht die Sphinx selbst. Frühe Förderer erinnern sich daran, daß Bob Schallplatten aus dem Haus klaute. Der Schock, den Dylans unglaubliche Auftritte 1965/66 – hier reich und in Farbe enthalten – bedeuteten, ist vergleichbar der Wucht, mit der Martin Scorseses „Mean Streets“ und „Taxi Driver“ ein paar Jahre später das Kino radikalisierten. Diese monumentale Dokumentation entlarvt das Geheimnis Dylans nicht, sondern zeigt in der materialreichen Montage verblüffend, daß er seiner ideellen Heimat um so näher kommt, je weiter er sich von allen Konventionen entfernt. Drei Stunden – nicht Wahrheit. Aber Evidenz.