Kehrt Taylor Swift zum Country zurück? Alle Zeichen
„I Knew It, I Knew You“ dominiert das Country-Radio, Swift ist für die Country Music Hall of Fame nominierbar – und ihr Debütalbum wird 20 Jahre alt.
Es ist eine Frage, die Fans seit mindestens 14 Jahren umtreibt – oder seit vollen 16, wenn man es mit der Genre-Zuordnung sehr genau nimmt: Wann kehrt Taylor Swift zum Country zurück?
Vor zwanzig Jahren brach Swift als aufgehender Nashville-Star durch, bevor sie geschickt und entschlossen den ultimativen Crossover vollzog und sich zur größten Popkünstlerin des Planeten entwickelte. Rein rechnerisch umfasst Swifts „Country-Ära“ nur ein Viertel ihres Gesamtwerks: gerade mal vier von zwölf Alben – und je nach Genre-Auslegung ihres stilistisch vielschichtigen Klassikers „Red“ vielleicht sogar nur drei. Dennoch wirft Country Music einen langen Schatten auf ihre Karriere. Es ist die geschätzte Quelle einiger ihrer stärksten Songs und bewahrt die warme Aura einer künstlerischen Heimat, zu der sie eines Tages zurückkehren könnte.
Natürlich hat Swift Country Music in gewisser Weise nie wirklich „verlassen“. Die Traditionen des Genres sind tief in ihrem Songwriting verwurzelt, und sie hat immer wieder Wege gefunden, auf Nashville zurückzublicken, während sie ihr Klangspektrum erweiterte. So tauchte „New Year’s Day“ von „Reputation“ in den Country-Charts auf; „Soon You’ll Get Better“ von „Lover“ featured die Chicks; und in „Folklore“ sowie „Evermore“ steckten etliche Country-Referenzen. Selbst „Ruin the Friendship“ von Swifts jüngstem Release, dem glänzenden „Life of a Showgirl“, enthielt ein paar Banjo-Töne.
Rückkehr zu den Wurzeln
Swifts ambitioniertes Re-Record-Projekt bot ihr weitere Gelegenheiten, ihre Country-Wurzeln neu zu erkunden: Keith Urban und Maren Morris gastierten auf zwei Vault-Tracks von „Fearless“, während Chris Stapleton seine Stimme dem durch und durch countryhaften „Red“-Vault-Cut „I Bet You Think About Me“ lieh.
Dennoch ist eine vollständige Rückkehr zum Country bislang ausgeblieben – obwohl es erstmals echte Anzeichen gibt, dass sie unmittelbar bevorstehen könnte. Das deutlichste Signal ist „I Knew It, I Knew You“, Swifts Beitrag zum „Toy Story 5“-Soundtrack. Dieser Song könnte das erste Twang-Aufflackern einer Rückkehr sein – doch es gibt noch eine Handvoll weiterer Gründe, Jubiläen und bevorstehende Ehrungen, die uns glauben lassen, dass Taylor Swift sich für eine neue Nashville-Ära wappnet.
„Aufbruch und Heimkehr zugleich“
Als Swift „I Knew It, I Knew You“ Anfang des Monats erstmals ankündigte, lieferte die Pressemitteilung vorab ein paar Details: Der Track würde von Langzeit-Kollaborateur Jack Antonoff produziert – ihre erste gemeinsame Arbeit seit „The Tortured Poets Department“ (2024); er sei von Jessie, dem Cowgirl-Spielzeug aus „Toy Story“ in der Stimme von Joan Cusack, inspiriert; und er markiere Swifts Rückkehr zu ihren Country-Wurzeln.
„I Knew It, I Knew You“ ist tatsächlich durch und durch Country. Der Song eröffnet mit einem breiten Mundharmonika-Sweep, bevor er in eine staubige Groove-Atmosphäre aus Lagerfeuer-Gitarrenakkorden übergeht. „Das Schreiben dieses Songs fühlte sich gleichzeitig wie ein musikalischer Aufbruch und wie ein Nachhausekommen an“, schrieb Swift auf Instagram – begleitet von einem Video, das sie als kleines Mädchen mit Cowgirl-Hut und Stiefeln zeigt. „Etwas für Jessie zu schaffen war eine neue Herausforderung und fühlte sich gleichzeitig völlig selbstverständlich an.“
Country Radio jubelt
Vor dem Release von „I Knew It, I Knew You“ soll Swift mehrere Country-Radio-Programmdirektoren getroffen haben, um ihnen den Song vorzuspielen. Eine solche Geste ist nettes Branchen-Networking, aber schwer vorstellbar, dass sie in dieser Situation wirklich nötig gewesen wäre. RJ Curtis, Executive Director der Country Radio Broadcasters Inc., sagte gegenüber ROLLING STONE: „Ich habe schon eine Weile gesagt, dass Country Radio sie bei dem richtigen Song wieder unterstützen und mit offenen Armen empfangen wird – und es sieht so aus, als hätte sie genau das geliefert.“
Wenig überraschend schlug „I Knew It, I Knew You“ im Country-Radio sofort ein. Der Track schrieb sogar Geschichte: Als erster Song einer Frau schloss er das Panel on Impact vollständig ab – das heißt, sämtliche bei Mediabase gemeldeten Country-Radiosender erklärten sich in der ersten Woche bereit, den Song zu spielen. In einer Notiz im Branchenblatt „Country Aircheck“ schrieb Swift: „Mann, das ist eine Weile her! Danke, dass ihr Geschichte mit mir schreibt. Bis ins Unendliche und noch viel weiter.“
Seitdem hat „I Knew It, I Knew You“ die Hot-Country-Songs-Charts angeführt und Platz acht der Country-Airplay-Charts erreicht – und nebenbei auch noch Platz eins der „Billboard“ Hot 100 erklommen.
Ein rundes Jubiläum
Am 24. Oktober feiert Swift den 20. Jahrestag ihres selbstbetitelten Debütalbums. Hits wie „Tim McGraw“, „Teardrops on My Guitar“ und „Our Song“ machten sie auf Anhieb zu einer der aufregendsten neuen Stimmen im Country – und der Rest, wie man so sagt, ist Geschichte.
Swift hat noch keine konkreten Pläne zum Jubiläum von „Taylor Swift“ angekündigt, doch es fällt schwer, sich vorzustellen, dass sie den Meilenstein einfach verstreichen lässt. Eine mögliche Art, ihn zu begehen, wäre die endlich überfällige Veröffentlichung der „Taylor’s Version“ ihres Debüts – eines der beiden Re-Records, die sie bislang nicht herausgebracht hat (neben „Reputation“). Nachdem sie 2025 ihre Masters zurückgekauft hatte, bestätigte Swift, sie habe ihr Debüt „komplett neu aufgenommen“ und fügte hinzu: „Ich liebe wirklich, wie es jetzt klingt.“ Konkrete Veröffentlichungspläne nannte sie jedoch nicht.
Sie sagte jedoch, die Neuaufnahme könnte „wieder auftauchen, wenn die Zeit reif ist“, und: „Wenn es passiert, dann nicht aus einem Ort der Traurigkeit und der Sehnsucht nach dem, was ich mir gewünscht hätte. Es wird dann einfach eine Feier sein.“ Ein 20. Jubiläum passt perfekt zu dieser Beschreibung.
Eine wahrscheinliche Ehrung
Der 20. Jahrestag von „Taylor Swift“ und der eigentliche Beginn ihrer Musikkarriere bedeuten auch, dass Swift nun für die Aufnahme in die Country Music Hall of Fame in Frage kommt. Das ist, wohlgemerkt, keine Kleinigkeit. Jedes Jahr nehmen die Wahlleute der Country Music Association genau drei Künstler auf: einen Modern Era Artist, einen Veteran Artist und einen Künstler aus einer rotierenden Kategorie (Aufnahme- und/oder Tournee-Musiker, Songwriter oder Nicht-Performer).
Modern-Era-Künstler werden 20 Jahre nach ihrem ersten nationalen Durchbruch aufnahmeberechtigt – das bedeutet, Swift wird bei der Abstimmung über die Klasse 2027 berücksichtigt. Sollte sie die Ehre erhalten, wäre sie die jüngste Aufgenommene in der Country Music Hall of Fame, hinter Eddy Arnold und Vince Gill, die beide 48 Jahre alt waren, als sie 1966 bzw. 1980 aufgenommen wurden. (Gill übrigens spricht sich ausdrücklich dafür aus, Swift jetzt zu ehren.)
Natürlich ist nichts garantiert, aber es fällt schwer, sich einen offensichtlicheren First-Ballot-Hall-of-Famer vorzustellen als Taylor Swift. Und was wäre eine bessere Begleitung für eine solche Krönung als ihr erstes richtiges Country-Album seit Jahren?
Weitere Zeichen und Spekulation
Während viele Schlagzeilen rund um Swift in diesem Sommer vor allem auf ihre bevorstehende Hochzeit mit Travis Kelce fokussiert sind, sind ihre nicht-ehelichen Aktivitäten ausgesprochen country-lastig. Neben der Veröffentlichung von „I Knew It, I Knew You“ tauchte Swift kürzlich bei einem Event in Nashville auf, wo sie gemeinsam mit Lainey Wilson „Love Story“ sang. Und wenige Tage später schickte sie eine Videobotschaft zu Ehren von Country-Legende Alan Jackson, die vor seinem letzten Live-Auftritt in Nashville abgespielt wurde.
Und auch wenn es großen Spaß macht, die Pop-Teebläter zu lesen: Es fühlt sich tatsächlich so an, als wäre jetzt der perfekte Moment für eine vollständige Rückkehr von Taylor Swift zum Country. Blickt man auf die Pop-Landschaft der vergangenen Jahre, war Country Music dank Künstlern wie Morgan Wallen, Shaboozey und der diesjährigen unangefochtenen Chart-Königin Ella Langley eine der dominierenden Kräfte. Eine große Rückkehr zum Country war für Swift immer eine Option – und gerade jetzt könnte der Zeitpunkt kaum besser sein. Daumen gedrückt.