Kommentar

„The Big Bang Theory“ macht Schluss – und das ist verdammt nötig!

Natürlich ist „The Big Bang Theory“, die langlebige Comedy-Reihe um eine Handvoll Wissenschaftler, die mit Neurosen, narzisstischen Ängsten und dem anderen Geschlecht zu kämpfen haben, bereits seit einigen Jahren auserzählt. Es ist trotz all der Zoten eines der Märchen unserer Zeit. Wir wissen nun: Amor denkt auch an alle Sonderlinge, egal wie verschroben sie auch sein mögen.

Die Schauspieler können allerdings schon länger nicht mehr glaubwürdig die Doktoranden-Jugendlichkeit inszenieren, für die ein Großteil der Witze Authentizität voraussetzt. Mittlerweile ist aus der frechen Nerd-Story längst eine zahme rom com  geworden, die ihre einzige Spannung daraus bezieht, welche Alltagsprobleme in den Langzeitbeziehungen der Charaktere auftauchen. Showrunner Chuck Lorre hat sich in „Mike und Molly“ bei ähnlichem Komik-Potenzial mehr Mühe gegeben, in dieser Hinsicht gelungene Pointen zu setzen. Auch wenn die plötzlich eintretende Berühmtheit von Melissa McCarthy alles wieder zunichte machte und das Konzept mehr oder minder zerstörte.

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Andere Sitcoms sind inzwischen origineller

Dass Lorre weiß, wie man ein Szenario klug umschreiben kann, bewies er zuletzt mit der zunächst behäbigen Trinker-Sitcom „Mom“. Obwohl mit Anna Faris und Allison Janney exzellent besetzt, gelang erst mit der dritten Staffel und einer Neuausrichtung der Figurenkonstellationen sowie der Thematisierung ernsthafter Psycho-Probleme ein beachtlicher Qualitätsschub. „Mom“ ist im Vergleich zu „The Big Bang Theory“ die intelligentere Unterhaltung, weil es um komplexe menschliche Probleme geht. Die Figuren leiden an sich selbst und an der Welt, die sie kleinhält. Das ist komisch, weil es den Anschein von Wahrhaftigkeit hat. In „The Big Bang Theory“ geht es nur um Petitessen.  Selbst der Tod einer (stets unsichtbar gebliebenen) Darstellerin wird zum Running Gag verarbeitet. Weil ja auch die Figur nur ein Running Gag war.

Für „The Big Bang Theory“ ist eine Qualitätssteigerung nicht mehr zu erwarten. Deshalb ist es gut, dass die Serie nun nach der 12. Season eingestellt wird. Zu sehr haben sich die Zuschauer an die stereotypen Figuren (und noch schlimmer: stereotypen Handlungsbögen) gewöhnt. Auch deshalb läuft die Serie in Deutschland, das anscheinend seine Routinen braucht, in Dauerschleife.

Benötigt wird eine Fortsetzung nicht mehr. Ein warmherziger Schlusspunkt wäre nun nötig, vielleicht so wie bei „Friends“. Die einflussreiche Sitcom ist in vielen Punkten vergleichbar mit „The Big Bang Theory“ und schaffte den glücklichen Absprung schon nach zehn Staffeln. Showrunner Chuck Lorre, die Produzenten und Sender CBS versprechen nun für ihre Serie einen „großen kreativen Knall“ zum Abschluss. Die letzte Folge läuft in den USA am 16. Mai.

Weil es ja im Grunde nur noch darum ging, dass die Figuren in mehr oder minder glücklichen (Ehe-)Beziehungen ankommen, kann man fast wetten, dass Rajesh Koothrappali in der letzten Episode endlich auch seine Gefährtin fürs Leben findet. Vielleicht bekommt er sie von seinem Vater oder seiner Mutter aus Indien angeboten und verliebt sich auf der Stelle in sie. Es wäre der Gipfelpunkt der konservativen Grundstruktur, die in der Serie schon seit langem die Motivation der Figuren prägt. Kein Knalleffekt – aber: Ende gut, alles gut.

Der Autor dieser Zeilen glaubt, dass die „Simpsons“ mit ihren ersten acht Staffeln für immer und ewig definiert haben, wie gute Comedyserien funktionieren müssen. Folgen Sie ihm, wenn Sie mögen, auf Twitter und auf seinem Blog („Melancholy Symphony“).

CBS Photo Archive CBS via Getty Images

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