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Thees Uhlmann: ‚Draußen ist Armageddon, hier eine heile Welt‘


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Wer Thees Uhlmann kennt, der weiß –  er ist ein Mann der vielen Worte. Aber er ist auch ein Mann der Tat. Und als Uhlmann Mitte März vom geplanten Abriss des Gebäude 9 erfuhr, zückte er vielleicht seinen Tourkalender und trug in leuchtenden Buchstaben „Gebäude 9 retten“ in den Pfingstmontag ein.

Knapp drei Monate später ist es soweit: Der abgerockte Konzertsaal und die umliegenden Künstler-Ateliers sind dank Großeinsatz von Bürgern, Prominenten und mehr oder weniger opportunistischen Politikern kurz vor der Kommunalwahl gerettet. Das Bauvorhaben auf dem Gelände in Köln-Mülheim ist soweit angepasst worden, dass der Erhalt dieser „subkulturellen Spielstätte“ vorerst gewährleistet ist. Tatsächlich ein großer und auch unvorhergesehener Erfolg in Zeiten des urbanen Clubsterbens. Natürlich ein Grund, aus dem Konzert, das ursprünglich unter dem Stern des Protestes stand, eine Überlebensfeier zu machen.

„Draußen ist Armageddon, hier ist heile Welt!“ ruft Uhlmann seinem Publikum zu. Pfingstmontagabend herrscht tatsächlich Weltuntergangsstimmung in Köln. Nur wenige hundert Meter weiter musste das Birlikte-Festival, anlässlich des zehnjährigen Gedenkens an den Nagelbombenanschlag in der Keupstraße, aufgrund eines Unwetters abgebrochen werden. Birlikte-Headliner Udo Lindenberg wird an diesem Abend nicht auftreten können.

Binnen Minuten sind aus Straßen Bäche geworden, die hunderte treue Fans in das ausverkaufte Gebäude 9 gespült haben. Sauerstoff gibt es keinen, stattdessen versinke ich in einem Meer aus nassen „& Jay-Z singt uns ein Lied“-Shirts, Regen und Schweiß vermischen sich zu einer hüpfenden, frenetisch klatschenden und grölenden Masse. „Oh, ich bin durstig, gib mir zu trinken, lass uns wie Steine im Wasser versinken“ (Vom Delta Bis Zur Quelle, #2) – kein Zweifel, Songs wie diese sind für Augenblicke wie diese gemacht. Nach „Thees Uhlmann“ 2011 ist August 2013 „#2“, folgerichtig das zweite Solo-Album des Tomte-Frontmanns auf Grand Hotel Van Cleef erschienen. Weit weg sind die Zeiten, als Tomte deutschen Indie-Rock Erstsemesterparty-fähig machte, heute wird weniger getanzt, dafür mehr rhythmisch geklatscht. Zu „Ich bin der, der nachts mit Fackeln zu dir rennt. Und es brennt es brennt es brennt“ (Es brennt, #2) muss Uhlmanns schwarze Lederjacke weichen – und gibt den Blick auf sein „Kölsch Kippe Lederjacke“-Shirt des Kölner Underground HipHoppers Veedel Kaztro frei.

Kein Zweifel, Uhlmann liebt Köln, Uhlmann ist ein Fan des Gebäude 9. Und er ist hier, weil er hier sein will, Spaß hat und seinen Teil dazu beisteuern möchte, dass dieser Ort, dem er eigentlich längst entwachsen ist, erhalten bleibt. Weil es „ein Grundpfeiler für die Indie-Kultur in der Region ist“, und weil er selbst den ein oder anderen Schwank aus Tomte-Zeiten mit diesem Ort verbindet.

Doch plaudert Uhlmann nicht nur aus dem Nähkästchen und spielt mit Band Songs seiner Soloalben, er drescht auch Phrasen: „Nur ein toter Nazi ist ein guter Nazi“. Ja klar, wer würde dem widersprechen wollen – ebenso gut hätte er behaupten können, dass kleine Kätzchen schon sehr süß und Robbenklopper und Erderwärmung scheiße sind. Und alle feiern es ab. Aber der Typ wirkt dabei nicht anbiedernd, sondern bemerkenswert authentisch.

Die ganze Veranstaltung erinnert zwar an eine dreckigere, schrammeligere Version des ZDF-Fernsehgartens – Schlager for the indie-people – doch die Selbstverständlichkeit, mit der Uhlmann mit diesen Klischees daherkommt und die überglücklichen, schweißgebadeten Gesichter im Publikum nach über eineinhalb Stunden Konzert und drei Zugaben lassen selbst den Zyniker in mir überrascht feststellen: Da passiert etwas Wundervolles. Deutscher Rock’n Roll für eine heile Welt.


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