„Eine ganze Zivilisation stirbt heute Nacht“, warnt der Friedensnobelpreis-Anwärter

Trump hat dem Iran gedroht, ihn zu vernichten, falls das Land die Straße von Hormus nicht bis Dienstagabend öffnet.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Donald Trump lechzt nach dem Friedensnobelpreis, seit er wieder im Amt ist – er pöbelt regelmäßig darüber, wie sehr er die Auszeichnung verdiene, behauptet gleichzeitig, ihm sei sie völlig egal. Der Präsident gibt an, zahlreiche Kriege beendet und damit Millionen Leben gerettet zu haben, und scheint zu glauben, dass das Anzetteln eines Krieges gegen den Iran – in dem die USA offenbar Dutzende iranische Schulmädchen getötet haben, von den Tausenden anderen Opfern ganz zu schweigen – seiner Kandidatur ebenfalls zugutekommen sollte. Frieden durch Stärke!

Dass der Krieg bei den Mitgliedern des Nobelkomitees gut ankommt, darf allerdings bezweifelt werden – erst recht, nachdem Trump am Dienstagmorgen damit gedroht hatte, den Iran und seine Geschichte von der Landkarte zu tilgen.

„Eine ganze Zivilisation stirbt heute Nacht, um nie wieder aufzuerstehen“, schrieb der Präsident auf Truth Social. „Ich will nicht, dass das passiert, aber es wird wahrscheinlich so kommen. Jetzt, wo wir einen vollständigen und totalen Regimewechsel haben, bei dem andere, klügere und weniger radikale Köpfe das Sagen haben, könnte jedoch vielleicht etwas revolutionär Wunderbares geschehen – WER WEISS? Wir werden es heute Nacht erfahren, in einem der bedeutendsten Momente der langen und vielschichtigen Geschichte der Welt. 47 Jahre der Erpressung, der Korruption und des Todes werden endlich ein Ende haben. Gott segne das großartige Volk des Iran!“

Trumps Ultimatum läuft ab

Die Drohung fällt mit dem Ablauf von Trumps Ultimatum zusammen: 20 Uhr Ortszeit Washington, bis dahin soll der Iran die Straße von Hormus öffnen. Kommt das Land dem nicht nach, hat Trump angekündigt, Kraftwerke und Brücken des Iran zu vernichten und das Land in die Hölle zu schicken – so hatte er es am Ostermorgen formuliert, nachdem er zuvor gebettelt hatte: „Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Idioten.“

Trump hat in Bezug auf die Straße von Hormus einen wilden Zickzackkurs hingelegt. Die Sperrung der Meerenge würgt die weltweite Ölversorgung ab und lässt die Preise in die Höhe schießen. Mal bestand er darauf, die USA bräuchten die Meerenge gar nicht offen, das sei nicht Amerikas Problem, und verbündete Staaten, denen Öl wichtig sei, sollten selbst in die Region einmarschieren und sie öffnen. Gleichzeitig bestand er darauf, die Meerenge müsse geöffnet werden – und wenn der Iran seinen Forderungen nicht nachkomme, würden das Land und sein Volk die volle Wucht des US-Militärs zu spüren bekommen.

Der Iran zeigt sich bislang wenig kooperativ und untergräbt damit Trumps Stärke-Rhetorik. Plumpe Drohungen mit Tod und Zerstörung scheinen das einzige Mittel zu sein, das Trump zur Verfügung steht. Seit Kriegsbeginn hat er solche Drohungen zwar zurückgenommen, doch was passiert, wenn die Meerenge am Dienstagabend weiterhin gesperrt bleibt, ist ungewiss. Der Iran wirkt nicht wie ein Land, das klein beigibt – und Trumps Ego lässt ihm womöglich keine andere Wahl, als seine Ankündigung wahrzumachen und die 90-Millionen-Einwohner-Nation in Schutt und Asche zu bomben.

Der Nobelpreis wartet

Andererseits hat er ja noch einen Friedensnobelpreis zu gewinnen.

Ryan Bort schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil