Was bedeutet Trumps neuer Erlass für Psychedelika?
Trump hat per Erlass Beschränkungen für Psychedelika gelockert – und damit Forscher, Investoren und die psychedelische Community in Aufruhr versetzt.
Am 18. April unterzeichnete US-Präsident Donald Trump einen Erlass, der Beschränkungen für psychedelische Substanzen lockert. Damit ebnet er den Weg für die Erforschung von Stoffen, die seit 1971 nach Bundesrecht illegal sind – seit Nixon mit dem Controlled Substances Act (CSA) Psychedelika als hochriskante Drogen ohne „anerkannten medizinischen Nutzen“ einstufte. Der Erlass fordert die Food and Drug Administration auf, die Prüfung von Substanzen wie MDMA, LSD, Psilocybin und Ibogain zu beschleunigen. Außerdem werden mindestens 50 Millionen Dollar an Bundesgeldern für staatlich finanzierte Psychedelikaforschung bereitgestellt.
Diese Summe entspricht den 50 Millionen Dollar, die Texas bereits für die Erforschung von Ibogain zugesagt hat – einer psychedelischen Verbindung, die als mögliche Behandlung von Opioidabhängigkeit und Hirnverletzungen Aufmerksamkeit erregt hat. 2025 gründete der frühere texanische Gouverneur Rick Perry gemeinsam mit anderen die gemeinnützige Organisation Americans for Ibogaine; kürzlich war er in Joe Rogans Podcast zu Gast, um sich für eine Lockerung der bundesweiten Beschränkungen einzusetzen.
Am Samstag stand Rogan, der sich seit Langem lautstark für psychedelische Medizin ausspricht, gemeinsam mit Kabinettsmitgliedern – darunter Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Dr. Mehmet Oz, Leiter der Centers for Medicare and Medicaid Services – im Oval Office, als der Erlass verkündet wurde. Rogan erzählte der Runde, er habe Trump eine Nachricht über Ibogain geschickt, worauf der Präsident geantwortet habe: „Klingt gut. Wollt ihr FDA-Zulassung? Machen wir.“ Der Erlass erklärt unter anderem, er ziele darauf ab, „den Zugang zu psychedelischen Substanzen zu erweitern, die Leben retten und die Krise psychischer Erkrankungen in Amerika umkehren könnten.“ Nach der Unterzeichnung warf Trump trocken ein: „Kann ich auch etwas haben, bitte?“
Ibogain im Mittelpunkt
Ibogain steht im Kern von Trumps Erlass – maßgeblich durch das Engagement von Veteranen wie Jay Kopelman, einem ehemaligen US-Marine, dessen eigene Erfahrungen mit Ibogain ihn dazu bewogen, als CEO von Mission to Live einzusteigen, einer gemeinnützigen Organisation, die Kriegsveteranen und Ersthelfer mit Stipendien für psychedelische Therapie unterstützt. Kopelman ist überzeugt, dass Trumps Erlass Leben retten wird. „Das verändert das Paradigma – nicht nur für Veteranen, sondern für alle“, sagt er gegenüber ROLLING STONE. „Menschen, die jahrelang mit therapieresistenten Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen, traumatischen Hirnverletzungen und Suchterkrankungen gelitten haben, werden Zugang zu einem Mittel erhalten, das Heilung und Linderung bringen kann.“
Der Erlass skizziert einen Zugangsweg für weitere psychedelische Substanzen über den Right to Try Act, der Patienten mit lebensbedrohlichen Diagnosen erlaubt, noch nicht von der FDA zugelassene Medikamente zu nutzen. Das bedeutet: Substanzen wie MDMA, Psilocybin, 5-MeO-DMT, LSD und Methylon könnten als Durchbruchstherapien eingestuft werden.
Nicht alle begrüßen die Lockerung. Die Foundation for Drug Policy Solutions verurteilte die Initiative in einer Stellungnahme. „Die Belege für den angeblichen therapeutischen Nutzen dieser Substanzen sind mehr als dünn“, schrieb CEO Kevin A. Sabet, der sich auch vehement gegen die Cannabis-Legalisierung ausgesprochen hat. „Die Forschung dahinter ist durchzogen von Interessenkonflikten und Branchenverbindungen.“ Die Reaktionen insgesamt fielen jedoch positiv aus, und Forscher wie Investoren machen sich bereit, den Zugang zu Stoffen zu nutzen, der ihnen jahrzehntelang verwehrt war. Psychedelika-Aktien schossen am Montag in die Höhe: Das Biotechunternehmen Enveric Biosciences legte laut „Forbes“ um 187 Prozent zu, während die Anteile von AtaiBeckley, einer Entwicklungsplattform für psychedelische Therapien bei psychischen Erkrankungen, um 31 Prozent stiegen.
Experten mahnen zur Vorsicht
Rick Doblin, Gründer und Präsident der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS), warnt, dass Patienten, die psychedelische Behandlungen in Anspruch nehmen, zusätzliche Unterstützung wie Gesprächstherapie benötigen werden. „Der Schlüssel zur Optimierung der Behandlungsergebnisse und zur Versorgung möglichst vieler Menschen wird die Kostenübernahme durch die Krankenkassen sein. Und viele Therapeuten in Amerika akzeptieren gar keine Versicherungen. Das wird die große Herausforderung sein: Wie führen wir das so ein, dass es nicht nur dem Pharmaunternehmen nützt, das das Mittel verkauft, sondern den Patienten?“
Jenseits der Begeisterung von Investoren und Forschern ist die Psychedelika-Community in dieser Frage gespalten, sagt Shelby Hartman, Mitgründerin der Psychedelika-Publikation DoubleBlind. „Es gibt Menschen, die die FDA-Zulassung von Psychedelika für wichtig halten“, so Hartman, „und es gibt auch jene, denen es wichtig ist, dass indigene Weisen des Umgangs mit diesen Mitteln respektiert werden.“ Dennoch sei es neu und bemerkenswert, dass psychedelische Therapie zu den parteiübergreifendsten Themen im Kongress gehöre, sagt Hartman. „Es ist schwer zu leugnen, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist – selbst für viele, die Trump ablehnen.“
Doblin glaubt, dass der Erlass weltweite Signalwirkung haben könnte. „Viele Regulierungsbehörden rund um die Welt warten darauf, dass die USA vorangehen – insbesondere die FDA… Wenn MDMA oder Psilocybin in den USA zugelassen wird, werden sie es auch in der Ukraine zulassen.“ Das Potenzial sei enorm, sagt Doblin, „aber solange der Erlass nicht umgesetzt ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, was er konkret bedeutet.“