Unfrieds EM-Urteil: Gefühl und Größenwahn – Warum wir Island so lieben

 

Die Außenseiter-Geschichte gehört zu den Hauptattraktionen des Sports und längst nicht nur zum Stehsatz des Sportjournalismus. Eine Massenveranstaltung erzählt Geschichten für die Massen. So wie Rosamunde Pilcher ja auch. Insofern war die Island-Begeisterung und -Verklärung schlicht die beste populärste Geschichte dieser Fußball-EM. In etwas geringerem Ausmaß und im englischen Sprach- und Medienraum gilt das auch für den Halbfinalisten Wales. Logisch, dass Medien und Publikum draufhüpfen und die Emo-Kuh melken, solange Milch kommt.

Ein Kleiner und Neuer, der den Großen und bekannten Helden schlägt, um selbst zum neuen Helden zu werden – das geht immer. Silvester Stallone allein hat sieben Filme daraus gemacht. Bisher. In der Regel muss man den Großen etwas größer machen, den Kleinen etwas kleiner. Realistisch gesehen, gibt es zwischen England und Island im Moment ja eben gerade keinen großen Qualitätsunterschied. Aber, hey! Muhammad Ali wurde so riesig, weil man Foreman vor Kinshasa als „unschlagbar“ verkauft hatte. Deutschlands mythischer WM-Titel 1954 beruht auf dem offensichtlich falschen Superlativ, dass die Ungarn „unbezwingbar“ seien. Der EM-Titel der Dänen 1992 ist nur deshalb unvergessen, weil sie angeblich direkt vom Strand und aus dem McDonald’s kamen. Aus mir unbegreiflichen Gründen gilt das als sensationell.

Rüdiger Suchsland hat bei ROLLING STONE die emotionale Anteilnahme der Deutschen am Außenseiter eine „behagliche Verklärung des Kleinen Hutzeligen“ genannt und als „spießige Kleinbürgerphantasien“ bezeichnet. Die Identifikation sei Ausdruck der deutschen „Möchtegernharmlosigkeit“. Auch drücke das Gebaren „Desinteresse“ am Kern des Fußballs aus.

Emotionsschnorrer gucken Fußball nur zu WM oder EM

Letzteres ist ganz ein wesentliches Element der teilgesellschaftlichen Islandisierung. Speziell die Emotionsschnorrer, die nur bei WM und EM in den Fußball einsteigen, brauchen einfache Reize, um ihren Spaß zu haben. Entdifferenzierung. Die Fachfrage, ob Deschamps im Halbfinale gegen Deutschland mit 4-3-3 oder 4-2-3-1 agieren sollte, kann sie nicht erregen. Die ästhetische Frage auch nicht. Aber das ist Demokratie. Alle entscheiden, was gerade wirklich zählt. Kleiner Fußball ist also per Mehrheitsbeschluss kein Synonym für langweilig oder gar hässlich, sondern für aufregend und putzig.



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„Ist es wahr, dass französische Mädchen sich nicht die Beine rasieren?“ Der von Devin Ratray gespielte Buzz ist in „Kevin allein zu Haus“ der garstige Teenager-Bruder von Kevin (Macaulay Culkin) und macht vor allem mit dummen Sprüchen von sich reden („Der kleine Scheißer wird ein paar Tage Realität schon verkraften“). Viele fragen sich: Was wurde aus Buzz-Darsteller Ratray in den letzten Jahren? Klar, er spielte in „Kevin allein in New York“ (1992) mit. Vor den Kevin-Filmen reüssierte er eher in kleinen Produktionen wie „Hoggy, Oskar und der tote Briefkasten“, besuchte auch eine Film-Hochschule. Doch nach seinem großen Kevin-Auftritt (für sein…
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