Wenn das Museum tanzt

TUNE-YARDS Köln, Museum Ludwig ****

„No water at the waterfountain … Yeah“ – das angekündigte Gewitter bleibt aus. Dennoch findet das „Nikki Nack“-Gastspiel nicht wie geplant auf dem Dach des Kölner Museums Ludwig statt, sondern im gerammelt vollen Filmsaal. Anfängliches Bedauern verfliegt. Beim zweiten Track „Gangsta“ tanzt der Saal Kinosessel und subtropische Luftfeuchtigkeit hinfort. Merrill Garbus und ihre vier Musiker spielen eine exotisch-weirde Mischung aus Afrobeat, Jazz, HipHop und Pop. Verschachtelte Arrangements, die Genres sprengen und dabei dennoch betörend eingängig sind. Ihre Bühnenformation ist angesichts des opulenten Sounds überraschend reduziert: Trommeln, Bass, Synthies – und Stimmen. „Nikki Nack“ ist das dritte Album von Garbus, die nach „Whokill“ (2011) Unterricht in Singen, Schreien und Tanz nahm. Sie hat Soundstudien betrieben, in der Hoffnung, sich neu zu erfinden. Dabei sind Kompositionen entstanden, die zum ersten Mal auch klassischeren Songs entsprechen. Doch sie hat weder den eigenen Sound noch ihre Liebe zu knalligen Outfits verloren. Kriegsbemalung im Gesicht, Pailletten, Glitzer und Federpuschel mit ordentlich Punkigkeit erinnern an die Verlorenen Jungs aus Nimmerland. Garbus als nie erwachsener Peter Pan? Nein, Tune-Yards sind hochprofessionelle Spielkinder. Die Loops der Drums und Vocals sind so präzise, das polyrhythmische Trommeln und die Kanons der Background-Sängerinnen so sehr auf den Punkt, dass man stellenweise kaum Unterschiede zum Studio hört. Als einziger Makel bleibt, dass das arrangierte Song-Chaos live keine großen Abwandlungen zulässt. Doch egal, wir sind schließlich in einem Museum für Moderne Kunst und Tune-Yards ballert uns ebendiese auf denkbar unprätentiöse und berauschende Art um die Ohren.

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