Wie „Blade Runner“ ins Kino kam – und keinen Menschen interessierte


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Ende Juni 1982 erlebte Isa Dick Hackett einen der schlimmsten Abende ihres Lebens. Sie saß im Kino, um sich die erste Verfilmung eines Werks ihres Vaters, des Science-Fiction-­Autors Philip K. Dick, anzuschauen. Der Regisseur Ridley Scott hatte aus seinem dystopischen Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ aus dem Jahr 1968 einen Film noir gemacht.

Nur dass der Protagonist kein hartgesottener Detektiv aus den Vierzigern war, sondern ein Blade Runner aus dem Jahr 2019, ein Mann, der sogenannte Replikanten aus dem Verkehr ziehen soll, die die Menschheit bedrohen. Der Titel des Films lautete daher schlicht „Blade Runner“. Obwohl Harrison Ford, der als Han Solo in George Lucas’ „Star Wars“ und als Indiana Jones in Steven Spielbergs „Jäger des verlorenen Schatzes“ zum Star geworden war, die Hauptrolle spielte, war der Vorführsaal beinahe leer.

Dicks Zukunftsszenarien sind so aktuell wie nie

„Noch bevor die Widmung für meinen Vater erschien, schaltete man schon das Licht ein und den Film aus“, erinnert sich Hackett. „Ich war am Boden zerstört. Mein Vater war erst wenige Monate zuvor verstorben, und ich dachte nach dieser Erfahrung, seine Bücher würden nie irgendeine filmische Wirkung haben.“

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Unzählige Verfilmungen später indes, von „Total Recall“ über „Minority Report“ bis „The Man In The High Castle“, haben sich diese Bedenken in Luft aufgelöst. Dicks Szenarien, die die landläufige Wahrnehmung der Realität auf den Kopf stellen, dürften zu den prägendsten in der Geschichte der Science-Fiction gehören. Doch keiner dieser Filme hinterließ einen so bleibenden Eindruck wie „Blade Runner“, auch wenn er damals in den USA nicht mal die Produktionskosten einspielte und den Kampf an den Kinokassen gegen den zur gleichen Zeit startenden „E.T. – Der Außerirdische“ haushoch verlor.


Dieser Text ist ein Auszug aus der Story „Blade Runner 2049 – Kultfilm Reloaded“, die Sie in der aktuellen Ausgabe des ROLLING STONE (10/2017) vollständig lesen können. RS-Autor Rüdiger Sturm hat mit Schauspieler Ryan Gosling und Regisseur Denis Villeneuve über das Sequel des Kultklassikers gesprochen. Eine etwas andere Meinung zu „Blade Runner“ finden Sie übrigens HIER.


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