Wilco: Jeff Tweedy verrät Geheimnis hinter Titel und Artwork von „Star Wars“

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Wilco: Jeff Tweedy verrät Geheimnis hinter Titel und Artwork von „Star Wars“

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Mit der Veröffentlichung von „Star Wars“, ihrem neunten Studioalbum, ist Wilco möglicherweise die musikalische Überraschung des Jahres gelungen. Zumindest rechnete wohl niemand ernsthaft damit, dass die Chicagoer ihre neuen Songs zunächst kostenlos für jedermann zum Download anbieten würden.

Natürlich fielen dabei vor allem auch das verspielte Katzen-Artwork und der eindrückliche Titel auf. Im Jahr, da die „Star Wars“-Reihe mit „Das Erwachen der Macht“ einen neunten Teil erhält, weniger eine witzige Koinzidenz, als vielmehr ein kluger Schachzug, der für Aufmerksamkeit sorgt. Könnte man meinen.

Überraschende Inspiration für Titel und Artwork

Wie Wilco-Sänger Jeff Tweedy nun allerdings in einem Interview mit der US-Ausgabe des ROLLING STONE erzählte, hatte er gar nicht gewusst, dass in diesem Jahr ein neuer „Star Wars“-Film ins Kino kommt – bis er vom Anwalt der Musiker darauf hingewiesen wurde. „Alle rieten mir davon ab, den Titel zu verwenden, weil er nur Probleme bringen könnte“, so Tweedy.

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Der 47-Jährige enthüllte auch das Geheimnis um das drollige Cover. Hier war der Hintergrund laut Tweedy weniger eine geschickte Vermarktungsstrategie, wie sie von einigen Medien kolportiert wurde (Katzen und Star Wars – das sind doch gerade die Klickreize im Netz), sondern eine ganz persönliche Angelegenheit: „Das Bild von der Katze hängt bei uns im Loft (das Studio der Band, Anm. d. Red.) und jeden Tag bin ich daran vorbeigegangen und habe mir gedacht, dass es unbedingt auf ein Plattencover von uns gehört.“

Das führte zu der Überlegung, Titel und Bild zu kombinieren. „Dann dachte ich mir, das Wort „Star Wars“ mit dem Gemälde eine neue Bedeutung zu geben – und das Ergebnis ist wunderschön und schrill“, so Tweedy. „Das Album hat überhaupt nichts mit dem Film zu tun. Es gibt mir einfach nur ein gutes Gefühl.“ 

Besondere Umstände für die Produktion von „Star Wars“

Der Wilco-Frontmann klärte auch auf, warum sich die Band entschieden hatte, die neuen Lieder nicht wie sonst ganz regulär zu veröffentlichen: „Ich war die moderne Art, wie Musik herausgebracht wird, einfach leid. Fürgewöhnlich hasse ich die Zeit, wenn die Platte in den Läden steht. Ich hasse es, darüber sprechen zu müssen. Ich hasse all die Menschen, die es dann abwägen. Ich denke, dass so unserer Musik einfach keinen Gefallen getan wird, wenn sie kleckerweise angehört wird und Menschen das Gefühl bekommen, dass sie einer ganzen LP nach dem Hören eines Songs gelauscht haben. Das ist einfach nicht die Art, wie Wilco-Platten funktionieren.“

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Angesprochen auf die Art, wie Alben von Wilco denn funktionierten, antwortete Tweedy, dass die Band in der Regel eine Menge Material in der Hinterhand hätte, das jederzeit aufgenommen werden könne. Allerdings kam „Star Wars“ für den Musiker auch unter anderen Umständen zustande als alle Longplayer zuvor:

„Ich war sehr produktiv in den letzten Jahren, und dafür gab es auch einige Gründe, wohl vor allem auch die Krebsdiagnose meiner Frau. Ihr geht es wirklich besser jetzt. Aber wahrscheinlich war es so einfach notwendig, dass ich lernen musste, hilfsbereiter zu sein. (…) Mein Alltag gestaltete sich deshalb anders. Ich war viel häufiger zuhause und zwischen all den Chemotherapie-Sitzungen und Tagen, an denen ich sie von der Bestrahlung in der Klinik abholte, ging ich in der Zwischenzeit oft in unser Studio und arbeitete immer ein wenig an neuer Musik.“

Erfahrungen mit Bob Dylan

Tweedy sprach in dem Interview auch über Wilcos gemeinsame Auftritte mit Bob Dylan, bei denen der Sänger dem Barden durchaus näher kam: „Wir waren hin und wieder in ein Gespräch vertieft und ich wurde dabei immer sehr zuvorkommend von ihm behandelt. Es hat mich sehr inspiriert, jemandem nahe zu sein, der sich um das meiste auf dieser Welt immer einen feuchten Kehricht schert. Da gibt es schon einen großen Unterschied zu jemandem wie Paul McCartney, der sich im Grunde jeden Abend für seine Zuhörer und seine Songs verausgabt. Aber wenn ich mich nun für eine Seite der Inspiration entscheiden müsste, dann wäre es wohl die eher griesgrämige Arschloch-Seite des Spektrums.“

 

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