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„Wir sind mehr“ in Chemnitz: Die wichtigsten Worte von Marteria, den Toten Hosen und Feine Sahne Fischfilet


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Kraftklub, Marteria, Casper, Die Toten Hosen, Feine Sahne Fischfilet, K.I.Z., Nura und Trettmann: 65.000 Menschen folgten dem Aufruf dieser Musiker, um ein Zeichen gegen Hass zu setzen. Mit Bussen, Zügen und Autos strömten sie am Montag in die sächsische Stadt und legten damit nicht nur die Innenstadt komplett lahm – einige schafften es gar nicht erst zur Veranstaltung und steckten im Stau oder auf den Bahnhöfen fest. Trotzdem beschwerte sich kaum jemand. Und das Wichtigste: Es blieb friedlich.

Kraftklub

Als gebürtige Chemnitzer und politisch engagierte Musiker stand für Kraftklub fest, dass es Handlungsbedarf nach den Ausschreitungen der vergangenen Woche gab – die Band fragte kurzerhand bei befreundeten Musikern an, ob sie Zeit hätten, um für das #wirsindmehr-Konzert in die sächsische Stadt zu reisen. „Wisst ihr, es ist uns vollkommen klar, dass man mit nem Popkonzert an einem Montag nicht die Welt rettet. Wir sind nicht so naiv, dass wir glauben, dass alle Probleme gelöst sind, nur weil sich ein paar Leute zusammenfinden und Musik spielen. Aber wir haben auch schon vor zwei Wochen in Chemnitz gewohnt und wir wohnen auch noch in Chemnitz, wenn die Kameras wieder weg sind. Und manchmal ist es einfach wichtig, dass man sich nicht so allein fühlt, dass man nicht allein gelassen wird und dass Freundinnen und Freunde kommen, um einem zu helfen.“

Trettmann

Das ist nicht mehr Trettmanns Stadt, wie er sie kennengelernt hat: „Ich bin hier geboren, habe meine Jugend hier verbracht, hatte das Glück, nach dem Mauerfall zu reisen und mir die Welt anzuschauen. Und worum geht’s in der Welt? Es geht überall um’s Überleben. Jeder will irgendwie sein Glück finden und vielleicht steh ich deshalb auch heute hier und nicht auf der anderen Seite.“ Der Rapper hätte selbst ebenso ins rechte Milieu abrutschen können: „Ich kann das sagen, weil ich komm da vom Berg, vom Heckertgebiet.“ Für den Song „Wie Du“ wurde Trettmann von Felix Brummer, dem Sänger von Kraftklub, unterstützt.

Feine Sahne Fischfilet

Besonders wortstark zeigten sich am Montagabend erwartungsgemäß Feine Sahne Fischfilet: „Als wir letzte Woche davon gehört haben, was hier in Chemnitz abging, hat man gedacht: Scheiße, man muss hier herfahren und genau die Leute unterstützen. Und so kam endlich der Anruf von Felix, von den Kraftklub-Leuten und dann hat man sich connectet und hat gesagt, man zieht sowas hier auf. Und es ist eine Selbstverständlichkeit, dass das nicht alles sein kann. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass so ein Konzert höchstens nur ein Anfang sein kann und dass verdammt noch mal immer mehr Menschen den Arsch hoch zu bekommen haben.“

Sänger Monchi stellte zwischen den Songs zudem klar, dass mit dem Konzert keinesfalls von dem tödlichen Messerangriff auf einen Chemnitzer abgelenkt werden soll. „Unserer Ansicht nach hätte man der Familie, den Angehörigen, den Freunden selbstverständlich Ruhe und Zeit gelassen, um den Schmerz zu verarbeiten und erst zu realisieren, was da passiert ist. Aber es gibt in diesem Land irgendwelche Menschen, so kommt es einem wirklich vor, die sich den Arsch abfreuen und am nächsten Tag mit tausenden Leuten auf die Straße gehen und meinen, sie trauern. Ihre Trauer besteht darin, dass sie hier durch die Städte ziehen, abhitlern und wieder Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe und Herkunft jagen.“ Auch Marteria kam für „Komplett im Arsch“ auf die Bühne, um gemeinsam mit den Musikern aus Mecklenburg-Vorpommern zu performen.


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K.I.Z.

Eine Begrüßung, wie sie nur von K.I.Z. stammen kann: „Hallo Chemnitz! Wie geht es euch? Wo sind meine linksversifften Gutmenschen?“ Die Rapper versuchen sich zwischen Songs wie „Urlaub fürs Gehirn“, „Geld“ und „Ein Affe und ein Pferd“ an humorvollen Sprüchen zur Situation in Chemnitz. „Auf dem Weg hier her, in unserem gepanzerten Militärfahrzeug, haben wir Heiko Maas gesehen, wie er fünf Neonazis alleine K.O. geschlagen hat. Unglaublich! Der droht nicht nur, der macht auch!“

Dass K.I.Z. den Ernst der Lage erkannt hat, zeigte allerdings auch ein Statement, mit dem sich die Rapper dem Vorwurf stellten, das „Wir sind mehr“-Konzert sei eine Versammlung Linksextremer und damit mit Sorge zu betrachten. „Es wurde im Vorfeld etwas polemisiert, es wurde gelästert über diese Veranstaltung. Es wäre linksradikal und verfassungsfeindlich. Erstens: Wo ist jetzt der Diss? Ich peil’s nicht mal. Und zweitens sollte das viel mehr Fragen über unsere Verfassung aufwerfen, als über ein paar Musiker, die sich gegen marodierende Nazis auf eine Bühne stellen und ein paar Lieder trällern.“


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Marteria, Casper & Nura

Für Marteria bedeuteten die Bilder der letzten Tage Erinnerungen an das, was er bereits als Kind miterleben musste. Als das Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen von Rechtsradikalen angezündet wurde und hunderte Menschen davorstanden und applaudierten, überkam ihn Angst. „Ich habe Lichtenhagen miterlebt, ich saß mit meiner Mutter und meiner Schwester heulend im Wohnzimmer.“ In den darauffolgenden Tagen demonstrierte er mit seiner Familie und war Teil einer Lichterkette, bei der sich Menschen zusammenfanden, um zu zeigen, dass so etwas nie wieder passieren soll. Das Gleiche habe er am Montagabend auch in Chemnitz vor sich gesehen. Gemeinsam mit Rapper Casper performte Marteria neue Songs wie „Champion Sound“, „Adrenalin“ und „Supernova“ – für den SXTN-Song „Ich bin schwarz“ kam zudem Rapperin Nura auf die Bühne.


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Die Toten Hosen

„Es gibt keinen Unterschied an solchen Abenden. Ob du jetzt Hiphop machst oder Rockmusik oder sonst was. Und dann stehen wir vor euch, sehen da irgendwelche Zehnjährigen rumlaufen und daneben irgendwelche 80-Jährigen. Und manche sind cool und manche sind uncool, aber eines haben wir alle gemeinsam: Gemeinsam gegen Rechts außen und diese Vollidioten! Wir sind zum dritten Mal innerhalb eines Jahres in dieser Stadt, aber heute, das ist mit Abstand der beste Abend!“ Die Toten Hosen beendeten gegen kurz nach 21 Uhr den Abend an der Johanniskirche. Mit Songs wie „Sascha – ein aufrechter Deutscher“, „Willkommen in Deutschland“ und „Liebeslied“ spielten sich die Düsseldorfer durch ihre wilden Punk-Jahre. Darüber hinaus hatte Campino noch zwei besondere Gäste eingeladen: Ärzte-Bassist Rodrigo Gonzalez sowie Arnim Teutoburg-Weiß von den Beatsteaks unterstützten die Band – gemeinsam spielten sie DEN Anti-Nazi-Song der Neunziger: „Schrei nach Liebe“ von Die Ärzte.

Den gesamten Abend gibt es hier nochmals in voller Länge zu sehen:


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