WM Public Viewing 2026: Warum Deutschland die Fanmeile sausen lässt

Nur zwei Städte wagen 2026 ein offizielles WM Public Viewing. Die Gründe reichen von Anstoßzeiten bis Boykott-Aufrufen – aber private Anbieter retten das Erlebnis.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Wo schaut ihr das erste Deutschland-Spiel? Im Garten mit Freunden oder doch in Jürgens Eckkneipe? Auf einem Public-Viewing-Event wird es jedenfalls höchstwahrscheinlich nicht sein. Denn das Interesse an solchen Events hält sich in engen Grenzen. Sage und schreibe zwei große Städte in Deutschland haben sich dazu entschlossen, ein öffentliches Public Viewing zu veranstalten: Hannover und Dortmund. In Dortmund weiß man zwar auch nicht, was man ohne Fußball machen soll – trotzdem verwunderte es viele, dass es keine Fanmeile in Berlin gibt und keine LEDs in Frankfurt am Main aufgebaut werden. Dabei ist die Vorfreude auf diese WM doch so besonders groß. Einreiseverbote für den Iran, Wasserwerfer auf Mexikos Fanmeilen und schlecht bewässerte Spielflächen machen diese WM nach Katar zum Publikumsliebling. Also woran liegt es wirklich, dass dieses Jahr niemand auf den Straßen unserer Städte Cucurella verflucht?

Problem Nr. 1: Die Anstoßzeiten

Mit Spielzeiten von 18:00 bis 6:00 Uhr morgens müsste man schon einen Ausflug durch das verschneite Frankfurter Bankenviertel unternehmen, um alle Spiele zu sehen und gleichzeitig tagsüber seiner Arbeit nachzugehen. Wer keine externen Substanzen zu sich nehmen will, um die Wirtschaft des Gastgeberlandes Mexiko anzukurbeln, bleibt wohl lieber bei den frühen Abendpartien. Deutschlands Anstoßzeiten von 19:00 und 22:00 Uhr in der Gruppenphase würden dabei keine ersichtlichen Einschnitte in den Alltag nach sich ziehen – und doch bleibt ein großes Interesse aus.

Problem Nr. 2: Die Wirtschaftlichkeit

Im Gegensatz zur Heim-EM 2024 ist das Interesse ziemlich mau. Fanmeilen tragen sich wirtschaftlich schlichtweg nicht durch ein paar Deutschland-Spiele, und zusätzlich zu Boykottaufrufen bewegen sich die Spielpaarungen dank der Teamerweiterung von 32 auf 48 Mannschaften eher auf Regionalliga-Niveau. So gerne sich auch tausende Fans für die Partie Kongo gegen Usbekistan versammelt hätten – allein die Anstoßzeit von 1:30 Uhr verhindert dies. Hinzu kommt, dass ausschließlich die Telekom sich alle Übertragungsrechte gesichert hat, was eine Lizenzierung teurer macht.

Die Lösung: Private Anbieter und Biergärten

Vom kleinen Pfarrfest in Obertshausen bis zur riesigen Leinwand im Center am Potsdamer Platz – vor allem die deutschen Spiele werden von privaten Anbietern gezeigt. Public Viewings in der eigenen Stadt gibt es also durchaus, man muss sie nur suchen. Statt offizieller Großveranstaltungen werden private Betreiber in ganz Deutschland viele Fans erwarten, und das meistens kostenlos. Diese Angebote müssen zwar von der Stadt genehmigt werden, dürfen dank Sonderregelungen aber Spiele bis 22:00 Uhr übertragen.

Also Deutschlandtrikot rauskramen und zuschauen, wie sich elf Millionäre gegen Curaçao schlagen.

Die Anzeige der Produkte wurde mit dem WordPress-Plugin „Affiliate-Toolkit“ umgesetzt.